Bures: Mit Frauenministerium wieder an frauenpolitische Traditionen anknüpfen

Frauenthemen müssen in allen Ressorts behandelt werden

Wien (SK) - "Die Lebensrealität von Frauen ist in vielen Fällen noch diskriminierend", unterstrich Frauenministerin Doris Bures am Donnerstag in ihrer Begrüßungsrede beim "Open house" im Frauenministerium anlässlich des internationalen Frauentages. Sie freue sich, mit dem neuen Frauenministerium wieder an Traditionen ihrer Vorgängerinnen anknüpfen zu können, die bereits viel für Frauen in Österreich getan hätten. Trotz allem gebe es noch viel zu verbessern und zu verändern, insbesondere in den letzten Jahren habe es massive Versäumnisse im Bereich der Frauenpolitik gegeben. Während der Veranstaltung stellten sich die neuen Ministerinnen Doris Bures und Maria Berger sowie die Staatssekretärinnen Christa Kranzl, Heidrun Silhavy und Christine Marek einer Podiumsdiskussion. Einig war man sich darin, dass frauenpolitische Fragen in allen Ressorts Platz finden müssen. ****

"Das traurigste Kapitel, das Frauen betrifft, ist Gewalt", betonte Justizministerin Berger. Hier sei besonders das Justizministerium gefragt, sie habe einerseits vor, bei Strafen gegen gewalttätige Männer das gesamte Martyrium, das die Frau durchlitten habe, in das Strafmaß einzubeziehen und andererseits wolle man die Opferhilfe ausbauen. Auch im Bereich des Menschenhandels und des Unterhaltsvorschusses brauche es massive Verbesserungen. "Ich verstehe das Justizministerium als Menschenrechtsministerium", konstatierte Berger. Gerade Frauen seien oft mehrfach diskriminiert, nicht nur wegen ihres Geschlechts, sondern manchmal auch wegen ihrer Herkunft. Deshalb setze sie insbesondere auf eine moderne Antidiskriminierungspolitik, denn diese komme Frauen oftmals sehr zu Gute.

"Ich will Frauenpolitik wieder jenen Stellenwert geben, den sie eigentlich haben sollten", so Doris Bures. Jetzt gebe es ein Regierungsprogramm, das alle Politikbereiche mit frauenpolitischen Themen "durchflutet". Auch Bures sprach den Bereich der Gewalt gegen Frauen an: "Gewalt funktioniert immer dort, wo Unterdrückung und Isolation herrscht." Deshalb sei es besonders wichtig, Frauen ein faires Gehalt zu bieten, denn nur wenn es ihnen möglich ist, unabhängig agieren zu können, können sie sich auch aus häuslicher Gewalt befreien. Im Bereich des öffentlichen Dienstes wolle sie dafür sorgen, dass Frauen die gleichen Chancen auf Spitzenfunktionen haben wie Männer. Obwohl der öffentliche Dienst eine Vorreiterrolle im Bereich der Chancengleichheit für Frauen einnehme, gebe es auch dort noch Verbesserungspotential. Besonderes Augenmerk wolle sie auch auf den Bereich der Vernetzung mit Frauenberatungsstellen und Interventionsstellen legen, denn "nur wenn wir wissen, wo der Schuh drückt, können wir gute Unterstützung leisten."

Christa Kranzl betonte, dass sie vor allem vor habe, den Frauenanteil in Forschung und Entwicklung zu erhöhen, denn "kein Bereich wird in Zukunft so schnell wachsen wie dieser". Derzeit liege der Frauenanteil im F & E Bereich in Österreich bei 18 Prozent, der EU-Durchschnitt betrage 26 Prozent. Sie wolle den Frauenanteil verdoppeln, mit der Initiative "Femtech-Karrierewege" habe man vom Infrastrukturministerium aus einen ersten Schritt gesetzt. Bemerkenswert sei, dass Forscherinnen im Beruf oft die gleichen Probleme haben wie Verkäuferinnen oder Friseurinnen, hielt die Staatssekretärin fest. Vor allem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei eine Schwierigkeit, deshalb sei sie eine Anhängerin von Betriebskindergärten.

Heidrun Silhavy nannte zwei Bereiche, an denen sie vor allem arbeiten wolle. So lasse die Besetzung von Beratungskommissionen wie der Bioethikkommission zu wünschen übrig. Frauen seien kaum vertreten, aber, "wenn die weibliche Sicht schon in den Kommissionen fehlt, dann fehlt sie auch bei der Umsetzung von Maßnahmen". Ein anderer Bereich sei, dass Frauen noch immer weniger Zugang zu neuen Technologien haben würden als Männer. Dies habe eine Erhebung der Statistik Austria ergeben, erläuterte Silhavy. Sie wolle versuchen, dieses Defizit auszugleichen, denn Frauen, die sich nicht mit den neuen Technologien beschäftigen seien auch im Beruf benachteiligt. Neben den konkreten politischen Maßnahmen betonte Silhavy auch, dass man dafür sorgen müsse, dass Frauensolidarität nicht nur ein Schlagwort bleibe. (Schluss) sw

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