Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch

Frauentag: Sinn und Unsinn

Wien (OTS) - Alle Jahre wieder bringt der Frauentag den selben Strauß: Notwendige Forderungen, schiefe Vergleiche und unfinanzierbare Utopien. Der Strauß ist so alt, dass er kaum noch interessiert. Was schade ist.

Schief sind vor allem die manipulativen Interpretationen diverser Einkommensstatistiken. Diese zeigen nämlich nur Ungleichheit, nicht aber die behauptete Ungleichberechtigung. Außerdem werden dabei immer Äpfel mit Birnen verglichen.

Eine der üblichen Statistiken zeigt jeweils das gesamte Einkommen:
also samt Überstunden und Teilzeit-Beschäftigungen. Eine andere vergleicht das Durchschnittseinkommen pro Stunde, wobei jedoch nicht sichtbar wird, dass Frauen leider noch immer häufig in schlecht bezahlte Berufe strömen, wie Handelsangestellte, Friseurin, Kosmetikerin oder Textilarbeiterin. Aber nur totalitäre Menschen wollen das - oder den männlichen Drang zu Überstunden oder den weiblichen in die Teilzeit - verbieten, damit sie echte Vergleichswerte bekommen.

Den Beweis für fehlende Gleichberechtigung liefert keine Statistik. Vielmehr deutet alles darauf hin, dass die rechtlichen Diskriminierungen allesamt schon lange eliminiert sind. Sie würden auch sofort vom Verfassungsgericht untersagt.

Hinter diesen die Realität verzerrenden Attacken geraten aber die legitimen Anliegen ins Hintertreffen, etwa die nach einem eigenständigen Pensionsanspruch für jene Frauen, die der Kindererziehung wegen daheim bleiben. Statt dessen wird ihre Altersversorgung noch immer über die Witwenpension geregelt. Die wackelt aber im Scheidungsfall und kommt absurderweise auf Kosten der Allgemeinheit auch jenen kinderlosen Paaren zugute, wo Machos dekretieren: "Meine Frau soll nicht arbeiten, sondern nur für mich da sein."

Ebenso wichtig wäre es, Frauen (oder Arbeitgebern) nach der Kinderpause beim Berufseinstieg kräftig zu helfen. Und schließlich braucht es auch mehr Angebote der Kinderbetreuung. Zwar haben die Skeptiker recht, dass das längere Daheimbleiben eines Elternteils besser für die Erziehung, also die Kinder ist (und daher nicht diskriminiert werden darf). Aber wenn Frauen wegen des Fehlens von Krippenplätzen offensichtlich seltener einen Kinderwunsch realisieren, dann ist das in Zeiten der demografischen Katastrophe noch viel schlechter.

http://www.wienerzeitung.at/tagebuch

Rückfragen & Kontakt:

Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: 01/206 99-478
redaktion@wienerzeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWR0001