"KURIER"-Kommentar von Simon Kravagna: "Anstand"

Hobby-Ahnenforscher Van Staa sollte sich bei Van der Bellen entschuldigen.

Wien (OTS) - Andreas Khol, Altmeister unverbindlicher Floskeln und sinniger Sprüche, hat die Sache so kommentiert: "Ich sage nichts dazu - und das ist das Beste, was man dazu sagen kann."
Aber muss sich Grünen-Chef Alexander Van der Bellen wirklich vom Tiroler Landeshauptmann Herwig Van Staa ausrichten lassen, dass sein Vater angeblich ein "hochrangiges" Mitglied der Nazis gewesen sei? Nein. Und wenn es schon passiert, dann gebietet der Anstand eine Entschuldigung durch den Hobby-Geschichtsforscher aus Tirol. Es geht nicht darum zu klären, ob Van der Bellens Vater am Herrschaftssystem der Nazis beteiligt gewesen war. Das ist allenfalls für Alexander Van der Bellen persönlich, der beim Tod seines Vaters im Jahr 1966 erst 22 Jahre alt war, von Interesse. Es geht darum, dass es nicht sein kann, belastende Aussagen über Verwandte von Politikern in die Arena zu tragen, sofern dazu kein triftiger Grund besteht.
Natürlich: Van der Bellens Vorwurf - der Tiroler wolle mit seiner Forderung nach Internierungslager für Asylwerber rund "100 kleine Guantanamos" schaffen - ist ein völlig überzogener und bedenklicher Vergleich. Ein zweifelhafter politischer Angriff rechtfertigt aber lange nicht eine mehr als beschämende Ahnenforschung.

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