EU-Gipfel - Evangelische Kirche und Diakonie: Kinderarmut bekämpfen

Appell an Gusenbauer und Molterer, "den Worten Taten folgen zu lassen" - "Plan D" zur Armutsbekämpfung

Wien (epdÖ) - Seit Jahren würden die EU-Mitgliedstaaten versprechen, soziale Ausgrenzung zu bekämpfen, ohne dass dies Folgen habe, beklagten die Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) und der Dachverband Eurodiaconia am Mittwoch, 7. März, in einem gemeinsamen europaweiten Aufruf an die EU-Regierungschefs. Heute, am Tag des EU-Gipfeltreffens, appellieren der evangelisch-lutherische Oberkirchenrat Michael Bünker und Diakonie-Direktor Michael Chalupka in einem Brief an Bundeskanzler Gusenbauer und Vizekanzler Molterer, "den Worten Taten folgen zu lassen". So haben bereits vor einem Jahr alle Mitgliedstaaten beschlossen, "Kinderarmut zu bekämpfen und allen Kindern die gleichen Chancen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft zu gewährleisten". In politische Maßnahmen wurden diese Ankündigungen jedoch nicht umgesetzt, kritisieren Bünker und Chalupka und rufen die Regierungschefs zum Handeln auf.

Es gelte, die wachsende Kluft zwischen Reichen und Armen in der EU zu verringern, denn Solidarität sei die Voraussetzung für den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft, betont Bünker. KEK und Eurodiaconia beobachten, so Bünker weiter, "mit Sorge die zunehmenden prekären Beschäftigungsverhältnisse mit working poor und die wachsende Marginalisierung von sozial benachteiligten Menschen. Rund 72 Millionen Personen in Europa müssen mit dem Risiko der Armut leben."

Diakonie-Chef Chalupka weist darauf hin, dass "Wirtschaftskraft, Beschäftigung und sozialer Zusammenhalt keine Gegensätze sind, sondern einander wechselseitig unterstützen". Die soziale Dimension der Lissabon-Strategie, die in den letzten Jahren "grob vernachlässigt" worden sei, müsse wieder gestärkt werden.

Bünker und Chalupka schlagen einen "Plan D" zur Stärkung des sozialen Ausgleichs in Europa vor. "D" stehe für delivery, democracy, distribution und dignity. Es brauche zur Armutsbekämpfung konkrete Umsetzungsschritte (delivery), Einbindung der Zivilgesellschaft und Betroffener (democracy), Instrumente des sozialen Ausgleichs (re-distribution) und Respektierung der fundamentalen individuellen Freiheits- und Sozialrechte (dignity).

In der KEK sind 126 protestantische, anglikanische, orthodoxe und altkatholische Kirchen zusammengeschlossen. Eurodiaconia ist der Dachverband von 43 den reformatorischen, anglikanischen und orthodoxen Kirchen verbundenen Wohlfahrtsorganisationen.

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