Wien als Vorreiter: HAK startet mit Modulsystem!

Wien (OTS) - "Mit der Einrichtung eines auf die Bedürfnisse des berufsbildenden Schulwesens abgestimmten Modulsystems in einer Wiener Handelsakademie leistet Wien erneut Pionierarbeit. Wir sind der festen Überzeugung, mit diesem Schritt zu einer zugleich stärkeren Förderung wie auch Forderung der SchülerInnen beizutragen und somit die Qualität der Schule weiter zu verbessern", stellte Wiens Amtsführende Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl im Rahmen einer Pressekonferenz heute fest.

Als Kern des Modulsystems, so wie es ab dem Schuljahr 2007/08 in der BHAK Wien 10 in der Pernerstorfergasse umgesetzt wird, bezeichnete sie die Kombination der Beibehaltung der bisherigen Stärken und Assets des berufsbildenden Schulsystems mit den Vorteilen einer stärkeren individuellen Schwerpunktsetzung. Brandsteidl: "Nicht alles anders, aber vieles besser - so lautet das Motto dieses Modells." Als wesentliche Vorteile des Modulsystems nannte sie

o kein "Sitzenbleiben" ab dem 3. Jahrgang o individuelle Fördermaßnahmen o besser motivierte Schüler o weniger Fehlstunden o anspruchsvolle vertiefende Angebote nach Lehrer- und Schülerinteressen o innovativer Weg in Richtung schulinterner Standardisierung des Unterrichts und der schulinternen Leistungsbeurteilung.

Das Modell im Detail

Als "klassische Säulen" des Unterrichts bleiben die jeweiligen Fachrichtungen, der Stundenplan in der Kernzeit von 8 bis 14 Uhr, der Klassenverband, die Stundentafel sowie die Eröffnungs- und Teilungszahlen erhalten. Damit soll gewährleistet sein, dass die Schule weiter administrierbar bleibt.

Neu hingegen sind die gleichzeitige Semestrierung wie Modularisierung des Unterrichts. So wird ab dem 3. Jahrgang das Schuljahr in ein eigenes Winter- und Sommersemester unterteilt, welches jeweils mit einem eigenen Zeugnis abgeschlossen wird. Gegliedert ist der Unterricht in Module, die jeweils ein Semester unterrichtet werden. Zu unterscheiden sind dabei:

o Kernbereichsmodule mit verpflichtender Teilnahme (sie entsprechen dem Kernbereich der bisherigen Stundentafel - z.B. Deutsch, BWL etc.), o Wahlpflichtmodule, die Gegenstände der jeweiligen Fachrichtung umfassen und wiederum in verpflichtende und frei wählbare Module aufgeteilt sind, o freie Wahlmodule, die entweder aus dem Pool bisheriger Freigegenstände und unverbindlicher Übungen oder aus den Fachrichtungsmodulen anderer Fachrichtungen gewählt werden können.

Jedes Modul wird gesondert benotet, das Semesterzeugnis enthält die Beurteilung aller absolvierten Module. Das Besondere dabei: Kein Semester muss wiederholt werden und positiv beurteilte Module bleiben stets erhalten. In jenen Modulen, die negativ beurteilt sind, hat der Schüler die Möglichkeit, zu Beginn des nächsten Semesters eine Wiederholungsprüfung abzulegen. Falls diese Prüfung ebenfalls negativ verläuft, tritt ein besonderer Mechanismus in Kraft: So ist vor Ablegung einer weiteren Wiederholungsprüfung (genannt "Kolloquium") die aktive und überprüfte Teilnahme des Schülers an einer Fördermaßnahme vorgesehen.

Konkret: Bevor man zu einer erneuten Prüfung antritt, hat ein Beratungsgespräch mit dem Lehrer ("Coach") stattzufinden, als dessen Resultat eine Art "Vertrag" geschlossen wird. In diesem "Vertrag" verpflichtet sich der Schüler eine bestimmte Fördermaßnahme in Anspruch zu nehmen - die Palette der hierfür in Frage kommenden Maßnahmen reicht von Präsenzförderkursen über Selbstlernunterlagen (CDs, Online etc.) bis hin zum Studium von Literatur. Der Vorteil hiervon: Die "Abschaffung des Sitzenbleibens" wird bewusst dazu genutzt, die SchülerInnen in jenen Fächern zu fördern, in denen sie noch Schwächen haben.

Bezüglich der Aufstiegsberechtigungen ist in diesem Modell zwar festgeschrieben, dass die SchülerInnen immer die Berechtigung zum Aufstieg ins nächsthöhere Semester besitzen, davon unberührt bleibt jedoch die Höchstdauer des Schulbesuchs bei 7 Jahren. Die Ausbildung endet mit einer Reife- und Diplomprüfung. Hierbei kann höchstens ein negativ beurteiltes Modul aus den vorangegangenen 5 Semestern im Rahmen der Reifeprüfung ausgebessert werden. Umgekehrt soll aber ein Vorziehen von Teilprüfungen ermöglicht werden.

Als weitere Stärke dieses Modulsystems bezeichnete Brandsteidl, dass "wenn laut OECD-Studien das Wiederholen eines Schuljahres pro Schüler 6.962 Euro kostet, die Abschaffung des Sitzenbleibens somit einen volkswirtschaftlichen Gewinn bedeutet. Verbunden damit, dass die durch das Modulsystem einhergehende Verbesserung des Unterrichts zu einer besseren Qualifizierung der künftigen ArbeitnehmerInnen führt, heißt dies, dass durch das Modulsystem gesellschaftlich wie individuell Chancen maximiert werden."

Abschließend bedankte sich Brandsteidl bei der BHAK Wien 10, bei allen LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern, vor allem aber auch beim verantwortlichen Schuldirektor Mag. Peter Slanar: "Keine Frage, dass ohne das riesige Engagement aller Schulpartner eine Innovation dieser Größenordnung nicht möglich wäre. Es spricht für die Innovationsfreude, Planungskompetenz und Umsetzungsfähigkeit der Schule, dass ihr dies so gut geglückt ist. Ich bin überzeugt, dass das Modulsystem als System gelebter Begabungsförderung richtungsweisend ist und schon bald zum Standard an unseren höheren Schulen werden wird." (Schluss) ssr

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