WirtschaftsBlatt Kommentar vom 8.3.2007: Österreich fehlt eine Ursula von der Leyen - von Angelika Kramer

Die Ministerinnen Bures und Kdolsky verbringen ihre Zeit lieber mit kleinlichen Streitereien

Wien (OTS) - Deutsche Gazetten sind seit Wochen voll damit: Wie sieht die Rolle der Frau in der heutigen Gesellschaft aus und wie kann eine Regierung dafür sorgen, dass wieder mehr Nachwuchs gezeugt wird? Wie stark benachteiligt sind Frauen gegenüber Männern im Berufsleben und wann genau ist eine Mutter eine Rabenmutter? Diese und ähnliche Fragen werden in unserem Nachbarland bisweilen leidenschaftlich, bisweilen auch absurd, diskutiert. Eines ist jedenfalls sicher: Ganz Deutschland entkommt der Thematik nicht.
Zu verdanken ist das Familienministerin Ursula von der Leyen, die die Gesellschaft mit der Forderung nach tausenden neuen Kinderbetreuungsplätzen aufgerüttelt beziehungsweise vor den Kopf gestossen hat. Man kann zu dieser Debatte stehen, wie man will. Klar ist: von der Leyen polarisiert, und sie hat etwas ins Rollen gebracht, was in der Vergangenheit jahrelang unangetastet geblieben ist.
Auch in Österreich ist die Problematik eine sehr ähnliche wie im Nachbarland: Bei uns sind Frauen im Job nach wie vor
benachteiligt, es herrscht ein
Mangel an Kinderbetreuungsplätzen, und die Geburtenquote lässt zu wünschen übrig. Was aber fällt Österreichs Politikerinnen dazu ein? Nicht viel! Einige Frauen nehmen sich zwar anlässlich des heutigen Internationalen Frauentags der Thematik an, aber eine ernsthafte, nachhaltige Auseinandersetzung mit Frauenproblemen findet hierzulande nicht statt.
Ja, die neue Frauenministerin Doris Bures hat sich nach einer längeren Gedankenpause der
Forderung ihrer Kollegin von der Leyen angeschlossen und will nun auch 50.000 Betreuungsplätze schaffen. Wie das finanziert werden soll, blieb bislang aber im Dunkeln. Auch die an sich frauenfreundliche Idee im Regierungsprogramm, das Familiengeld bei kürzerer Karenzzeit aufzustocken, wird auf die lange Bank geschoben. Vor dem Sommer ist diesbezüglich mit keinem Gesetzesentwurf zu rechnen. Stattdessen verbringen Bures und Familienministerin Andrea Kdolsky ihre Zeit lieber mit kleinlichen Streitereien und Rechenspielchen.
Auch wenn Österreich seit Kurzem wieder eine Frauenministerin hat, bleiben die Frauen hierzulande mit ihren Problemen auf der Strecke. Sämtlichen Politikerinnen fehlt die Authentizität und Glaubwürdigkeit einer Ursula von der Leyen. Und das seit Jahren! Johanna Dohnal war wohl die Letzte, die sich mit Fug und Recht Frauenministerin nennen durfte.

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