"KURIER"-Kommentar von Andrea Hodoschek:"Geschlossener Klub"

Frauen im Spitzenmanagement haben leider immer noch Seltenheitswert.

Wien (OTS) - Zu feiern gibt es am heutigen Frauentag gar nichts. Die krassen Einkommensunterschiede haben sich nicht verändert und in den Führungsetagen ist es auch nicht besser geworden. Hat sich eine Frau einen Platz an der Spitze erkämpft - die Betonung liegt auf erkämpft, denn freiwillig geben die Herren gar nichts vom Kuchen ab-, wird sie als Sensation groß abgefeiert.
Die Herren in den Vorstandsetagen und Aufsichtsratspräsidien wollen nach wie vor lieber unter sich bleiben. Anderslautende Aussagen sind reine Lippenbekenntnisse und nicht ernst zu nehmen. Sachlich ist es nicht zu erklären, dass es bis heute in den heimischen Topunternehmen kaum Generaldirektorinnen gibt. An der Qualifikation kann es nicht liegen. Schon vor 20 Jahren haben erstklassig ausgebildete Frauen die Universitäten verlassen und sind in die Unternehmen gegangen.
Besserung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil, das Pendel schlägt sogar zurück. Top-Managerinnen müssen sich nicht nur blöde Fragen nach der Vereinbarkeit von Familie und Job gefallen lassen (wer hat solche Fragen jemals den Herren Treichl, Raidl & Co. gestellt?). Drittklassige AutorInnen, die Frauen zurück an den Herd schreiben wollen, pilgern durch die Talk Shows und scheffeln mit ihren abstrusen Thesen viel Geld. Diskussionen über Rabenmütter, die ob ihrer Karriere-Geilheit die Kinder vernachlässigen, werden nicht mehr als obszön empfunden. Was soll es da noch zu feiern geben?

Rückfragen & Kontakt:

KURIER
Chefredaktion
Tel.: (01) 52 100/2601

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKU0003