"KURIER"- Kommentar von Andreas Schnauder: "Insel der Seligen"

Mit dem Wegfall der Erbschaftsteuer kippt auch die Verteilungsgerechtigkeit.

Wien (OTS) - Sonderlich hoch waren die Einnahmen aus der Erbschaftsteuer nicht. Ein Wegfall des Aufkommens ist also aus budgetärer Sicht verkraftbar. Wenn es dabei bleibt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird auch die Schenkungssteuer einer Überprüfung durch den Verfassungsgerichtshof nicht standhalten. Und da wäre noch die Grundsteuer, die bekanntlich ebenso auf den völlig realitätsfernen Einheitswerten basiert. Da kann man nicht mehr von Bagatellsteuern reden, deren Abschaffung allein schon aus Gründen der Verwaltungsökonomie sinnvoll sei.
Weit wichtiger ist die Frage der Verteilungsgerechtigkeit, die sich nun neu stellt. Man kann viel über die Sinnhaftigkeit der aufwendigen Erbschaftsteuer philosophieren. Klar ist aber, dass deren Wegfall die geringe Belastung von Vermögen weiter reduziert, während gleichzeitig die Abzüge auf Erwerbseinkommen jenseits der Schmerzgrenze liegen. Vor allem bei Kapitaleinkünften hat der Fiskus Beißhemmung, Österreich kann hier getrost als Insel der Seligen bezeichnet werden. Ein Umstand, der die Mehrheit der Steuerzahler gar nicht selig macht.

Rückfragen & Kontakt:

KURIER
Chefredaktion
Tel.: (01) 52 100/2601

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKU0002