"KURIER"-Kommentar von Daniela Kittner: "Eine globale Frauensache"

Ohne Beitrag der Wirtschaft bleibt die Frauenpolitik zwangsläufig stecken.

Wien (OTS) - Die Frauenpolitik ist stecken geblieben. Selten wird das so deutlich wie rund um den Weltfrauentag.
Frauenpolitikerinnen halten ihre rituellen Pressekonferenzen ab und tauschen altbekannte Argumente aus. Die SPÖ schwärmt von einem "Kurswechsel", Ex-Frauenministerin Rauch-Kallat verteidigt die Politik der alten Regierung Schüssel und ist "froh", dass es "keinen Kurswechsel" gibt.
Die Frauensache ist zum Parteigeplänkel degeneriert.
Männliche Politiker werfen sich in Positur: Frauenfreundlichkeit ist gut fürs Image. Also eröffnet Alfred Gusenbauer schnell eine Ausstellung zum Frauentag. Und Wolfgang Schüssel träumt vielleicht immer noch von einer flach liegenden "Feministentruppe", weil er doch so großzügig Ministerposten an Frauen vergeben hatte.
Das echte Leben ist anders.
In Großbritannien wurde dieser Tage eine Studie publiziert, wonach die am meisten diskriminierte Gruppe am Arbeitsmarkt Frauen mit unter elfjährigen Kindern sind. Britische Arbeitgeber sind offenbar der Ansicht, das Letzte, was sie in ihrem Betrieb bräuchten, sei eine Frau, die sich um ein Kind kümmert.
Daten und Fakten aus Frauenberichten deuten darauf hin, dass österreichische Arbeitgeber nicht anders denken als britische. Wobei hierzulande oft das so angenehm betäubende Gefühl herrscht, die Sozialpartnerschaft werde schon das Ärgste verhindern.
Der Guardian wiederum zitiert einen Menschenrechtsbericht, wonach in China zwanzig Millionen Kinder bei Verwandten am Land deponiert sind, während ihre Eltern als Wanderarbeiter in den boomenden Städten schuften. Die Unternehmen sparen sich die Steuern für Kindergärten und Schulen, die Arbeitnehmer widmen sich ohne Rücksicht auf die Familie ihren Dienstpflichten. Im globalen benchmarking firmiert dieses chinesische Beispiel vermutlich als best practice. Schreckliche Zustände in einem fernen Land?
Abgesehen davon, dass die Arbeitgeber in China oft die gleichen sind wie in Europa - die Geisteshaltung, Menschen ausschließlich nach ihrer betrieblichen Leistungsfähigkeit zu taxieren, gibt es auch hier. Ein Beispiel ist die aktuelle Facharbeiter-Debatte. Achthundert billige Schweißer und Dreher sollen, begrenzt auf ein Jahr, nach Österreich geholt werden. Abgehandelt wird die Frage als "Ausländerthema". Aber keiner der beteiligten Politiker kommt auf die Idee, es könnte hier um achthundert Männer gehen, die sich ein Jahr lang nicht um ihre Kinder kümmern und im Haushalt helfen können. Diese Wanderarbeiter lassen in der Folge 800 Frauen zurück, die sämtliche Familienlasten tragen und in der nächsten Statistik als "diskriminierte Gruppe am Arbeitsmarkt" aufscheinen.
Es wäre vermutlich hilfreich, würde die Politik, anstatt Selbstgespräche zu führen, mit der Wirtschaft über menschengerechte best practice-Modelle streiten. Und ihre eigene Denkweise hinterfragen - an jenen 364 Tagen, an denen nicht Weltfrauentag ist.

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