Frauentag: AK fordert konkrete Maßnahmen zur Verringerung der Einkommensschere

Förderinstrumente stärker mit Gleichstellung verknüpfen

Wien (OTS) - "Dass Frauen geringere Einkommen als Männer erzielen, zieht sich wie ein roter Faden durch den lebenslangen Erwerbsverlauf. Die Ursachen für die geringere Entlohnung sind vielfältig, daher muss darauf auch durch vielfältige Maßnahmen gegengesteuert werden", fordert Ingrid Moritz, Leiterin der Abteilung Frauen und Familie in der AK Wien. Faktoren für diese eklatante Ungleichbehandlung sind oft bereits die Berufswahl, eine zu kurze Karriere-Leiter, ein tiefer Einschnitt beim Einkommen durch eine Phase der Kinderbetreuung, aber auch Teilzeitarbeit, die zur Einkommensfalle werden kann. Die AK fordert neben mehr Kinderbetreuungsplätzen und noch mehr Wahlmöglichkeiten beim Kinderbetreuungsgeld vor allem, dass bestehende Förderungsinstrumente stärker mit Auflagen der Gleichstellung verknüpft werden.

Bereits junge Frauen in einem Lehrverhältnis verdienen um 27 Prozent weniger als männliche Lehrlinge. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Berufswahl und die tendenziell geringere Bewertung der Branchen, in denen Frauen arbeiten, spielen dabei eine wesentliche Rolle. Dass Frauen auch früher bei der beruflichen Karriere anstehen, ist ein weiterer Faktor, warum Frauen im Vergleich zu vollzeitbeschäftigten Männern um 22 Prozent weniger verdienen. Einen großen Einkommensknick erleben Frauen besonders in der Phase der Kinderbetreuung, die sich sehr unmittelbar auf die berufliche Situation und die Einkommen von Frauen auswirkt. Diese Einkommenseinbußen können auch im weiteren Berufsverlauf nicht mehr aufgeholt werden. Ein wesentlicher Faktor für Einkommensnachteile von Frauen ist auch auf Teilzeitarbeit zurückzuführen. Dabei ist der Einkommensunterschied nicht nur durch die geringere Arbeitszeit bedingt, sondern auch auf die schlechteren Karrierechancen bei Teilzeit zurückzuführen. So kommen Teilzeitbeschäftigte in qualifizierten und Führungspositionen nur sehr selten vor.

Kriterien für Wirtschaftsförderung und Auftragsvergabe sollten etwa sein: Chancengleichheit im Betrieb, Anteil der Frauen an Führungspositionen und in Aufsichtsräten, das Vorhandensein von Frauenförderungsplänen oder die Einkommensverteilung zwischen Frauen und Männern. Die AK fordert auch, dass bestehende Förderinstrumente der öffentlichen Hand verstärkt mit Auflagen der Gleichstellung verknüpft werden. So könnte etwa der volle Blum-Bonus zur Schaffung zusätzlicher Lehrstellen unter anderem an das Kriterium geknüpft werden, dass damit die nichttraditionelle Berufswahl von Mädchen unterstützt wird.

Dringender Handlungsbedarf besteht auch bei der Möglichkeit Beruf und Familie zu vereinbaren. So müsssen die fehlenden 46.000 Betreuungsplätze rasch ausgebaut werden und die Öffnungszeiten in den vorhandenen Einrichtungen verbessert werden. Die angekündigte neuerliche Evaluierung des Fehlbedarfs in der Kinderbetreuung würde keine neuen Fakten bringen und die Problemlösung noch weiter hinausschieben.

Wichtig ist auch, dass das Kinderbetreuungsgeld flexibler wird. Neben dem im Regierungsprogramm vorgesehenen Modell, auf 15 Monate zusammenzuschieben, braucht es aber noch weitere Wahlmöglichkeiten, damit realistischer Weise eine größere Zahl an Müttern bis längstens zum 2. Geburtstag des Kindes (Ende vom Karenzurlaub und Kündigungsschutz) an den Arbeitsplatz zurückkehren. Weiters sollte zum Kinderbetreuungsgeld ein Zuverdienst bis zu 24 Stunden pro Woche erlaubt sein. Durch diese Reformvorschläge würde auch eine partnerschaftliche Aufteilung von Kinderbetreuungsgeld attraktiver werden.

Notwendig ist auch, den Benachteiligungen bei Teilzeitbeschäftigung entgegenzuwirken. So sollten entsprechend dem Regierungsprogramm möglichst rasch Mehrarbeitszuschläge analog zu Überstundenzuschlägen eingeführt werden. Weiters sollen Teilzeitbeschäftigte in der betrieblichen Weiterbildungs- und Karriereplanung berücksichtigt werden.

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