Gusenbauer: Gewalt in keiner Form und an keinem Ort tolerierbar

Bures - Ausstellung "Hinter der Fassade" soll zur Bewusstseinsbildung beitragen

Wien (SK) - Anlässlich des Internationalen Frauentages wurde am Mittwoch im Bundeskanzleramt die Ausstellung "Hinter der Fassade", die sich der Gewalt in der Familie widmet, eröffnet. Bundeskanzler Alfred Gusenbauer betonte in seiner Eröffnungsrede, dass Gewalt "in keiner Form und an keinem Ort" zu dulden sei - weder in den privaten vier Wänden, noch in Fußballstadien oder Schulhöfen. Die Eröffnung der Ausstellung "Hinter der Fassade" sei der Auftakt zu einer gemeinsamen Anstrengung der Bundesregierung, Gewalt in der Familie als das zu entlarven, was es ist, sagte Frauenministerin Doris Bures und betonte: "Gewalt in der Familie ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein Verbrechen, eine Menschenrechtsverletzung, die es gilt, mit aller Kraft zu bekämpfen." Die Ausstellung im Bundeskanzleramt ist bis 19. März geöffnet. ****

Bei allem Fortschritt in der Gleichstellungspolitik müsse man immer wieder auf die gesellschaftlichen Schattenseiten blicken und versuchen, diese Probleme bewusst zu machen und zu lösen, sagte Gusenbauer. Schätzungen würden davon ausgehen, dass jede fünfte Frau in Österreich zumindest einmal in ihrem Leben von Gewalt durch einen nahen männlichen Angehörigen betroffen ist. Laut Kriminalstatistik seien Frauen jährlich 300.000 mal Opfer von familiärer Gewalt. Gusenbauer erklärte, dass es zwar Gesetze gegen Gewalt gebe, "aber noch kein durchgängiges Unrechtsbewusstsein". Das erkenne man beispielsweise an der Einstellung zu Ohrfeigen: 90 Prozent der Eltern halten diese für ein taugliches Erziehungsmittel. Und ein Drittel der Kinder werde regelmäßig verprügelt. Auch mit Traditionen begründete Gewalt - etwa an Migrantinnen - sei strikt abzulehnen.

Wesentlich im Kampf gegen Gewalt sei, dass Aufklärung geleistet werde, Präventionsarbeit, Täterarbeit jenseits der Gefängnisse, dass immer mehr Frauen im Exekutivdienst tätig sind und dass Frauen ökonomisch unabhängig sind. Denn: "Opfer müssen es sich leisten können von den Tätern, von denen sie in wirtschaftlicher Abhängigkeit sind, fliehen zu können." Daher sei die Armutsbekämpfung ein entscheidender Beitrag zur Gewaltbekämpfung.

Wichtiger Schritt aus der öffentlichen Tabuisierung

Ein wichtiger Faktor bei Gewalt in der Familie ist die weitgehende Isolierung der Opfer und die Tabuisierung in der Öffentlichkeit, betonte Bures. Die Ausstellung ist ein wichtiger Schritt in die Gegenrichtung; sie richtet sich vor allem an SchülerInnen, aber auch an RichterInnen, SozialarbeiterInnen, MedizinerInnen und allen Berufsgruppen, die mit familiärer Gewalt konfrontiert sind. Das Ziel der Ausstellung ist "Sensibilisierung und profunde Aufarbeitung, kurz: Bewusstseinsbildung".

Erhöhung der Budgets für Opferschutz

Bures betonte, dass neben der Bewusstseinsarbeit der Opferschutz eine ganz wesentliche Rolle spiele. "Wir bekennen uns zu einer besseren Ausstattung der Hilfseinrichtungen und haben daher das Budget für die Interventionsstellen gegen Gewalt in der Familie deutlich erhöht."

Das Zuhause ist in vielen Fällen der gewalttätigste Ort

"In vielen Fällen ist leider das Zuhause, die Familie, der gewalttätigste Ort", erklärte Maria Rösslhumer vom "Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser", die durch die Ausstellung führte. Die Ausstellung führt die BesucherInnen durch eine Wohnung. In den Zimmern wird das ganze Spektrum von den Ursachen, über die verschiedenen Formen der Gewalt bis hin zur Hilfesuche und den Unterstützungsmöglichkeiten behandelt. Konzipiert wurde die Ausstellung von Ursula Kolar. Bis 19. März gibt es täglich um 14 Uhr und um 15 Uhr Führungen durch die Ausstellung. Am 8. März ist die Ausstellung ganztägig geöffnet. (Schluss) up

Rückfragen & Kontakt:

SPÖ-Bundesorganisation, Pressedienst, Tel.: 01/53427-275,
Löwelstraße 18, 1014 Wien, http://www.spoe.at/online/page.php?P=100493

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NSK0004