Vorschuluntersuchungen: Ärztekammer fordert Anreizsysteme für Eltern

Dorner: "Mit Gesundheitsvorsorge kann man nie früh genug anfangen"

Wien (OTS) - Die Ärztekammer fordert Maßnahmen, um die Akzeptanz der Vorsorgeuntersuchung im Rahmen des Mutter-Kind-Passes für Kinder vor dem Schuleintritt in der Wiener Bevölkerung zu steigern. "Vorsorgeuntersuchungen werden sowohl von Erwachsenen als auch bei Kindern immer weniger in Anspruch genommen. Das wollen und müssen wir ändern", so Wiens Ärztekammerpräsident Walter Dorner bei einer Pressekonferenz heute, Mittwoch, in Wien. Nur mehr ein Drittel der Fünfjährigen würden in der Bundeshauptstadt von den Eltern zu einer Vorsorgeuntersuchung vor Schuleintritt gebracht. "Mit Vorsorge kann man aber nie früh genug anfangen. Je früher das in die Köpfe der Menschen gelangt, desto besser", so Dorner. ****

Die Einführung eines Prämienmodells könnte hier Abhilfe schaffen, erklärte Dorner. Oberösterreich habe vorgezeigt, "wie es gehen könnte". Dort erhalten Eltern eine Prämie von 390 Euro aufgeteilt in zwei Tranchen, sofern bei ihren Kindern alle im Mutter-Kind-Pass verankerten Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt wurden. "Dieses Modell erscheint mir am Erfolg versprechendsten", so Dorner.

Die Zahlen sprechen jedenfalls für sich: 65 Prozent der fünfjährigen Kinder in Oberösterreich werden von ihren Eltern zur Vorschuluntersuchung gebracht.

Parallel zum Prämienmodell fordert die Ärztekammer zudem die Einführung eines Recall-Systems analog zur Steiermark, das dort von der Landesregierung finanziert wird und in dessen Rahmen die Eltern schriftlich zur Vorsorgeuntersuchung eingeladen werden. Bei der Vorsorgeuntersuchung im Rahmen des Mutter-Kind-Passes sei die Implementierung eines solchen Systems "trotz mehrerer Anläufe" in Wien noch nicht umgesetzt worden, kritisiert der Vorsorgereferent der Ärztekammer für Wien, Rudolf Hainz. Bei der "Vorsorgeuntersuchung Neu", die von der österreichischen Bevölkerung ab 18 Jahren kostenlos in Anspruch genommen werden kann, sei der Ärztekammer bereits ein Recall-System in Aussicht gestellt worden. "Bis jetzt scheiterte eine Realisierung aber durch den Hauptverband", so Hainz.

Entwicklungsrückstände werden zu spät bemerkt

"Je älter die Kinder werden, desto weniger nehmen die Eltern das kostenlose Angebot der Vorsorgeuntersuchung in Anspruch", klagt auch Rudolf Schmitzberger, Vertreter der Fachgruppe für Kinder- und Jugendheilkunde in der Ärztekammer. Kinder, die vor der Einschulung stünden, würden häufig individuelle Entwicklungsunterschiede aufweisen, was eine Überprüfung der Lernvoraussetzungen notwendig mache.

"Bei etwa 10 Prozent der behandlungsbedürftigen Kinder wird im ersten Schuljahr eine rechtzeitige Förderung verabsäumt, weil vor der Einschulung keine entsprechende Schulfähigkeits- oder Schulreifeuntersuchung durchgeführt wurde", so der Kinderarzt. Meist werde dann zu spät erkannt, dass bei einem Kind ein Entwicklungsrückstand vorliege, wodurch etwa die Erlernung des Schreibens erschwert werde.

Im Rahmen der Vorschuluntersuchung werden Kinder auch auf mögliche Sprachentwicklungsverzögerungen geprüft sowie auf ihre soziale und psychosoziale Entwicklung, die integrale Voraussetzungen für das Verhalten in der Schule darstellen. "Zu diesem Zeitpunkt können wir noch früh genug eingreifen, das Kind rechtzeitig fördern und auf die Einschulung vorbereiten", verweist Schmitzberger auf die enorme Bedeutung der Vorsorgeuntersuchung.

Ärztekammerpräsident Dorner hofft jedenfalls, dass bei der österreichischen Bevölkerung nun endlich ein Umdenkprozess beginne "und wir beruhigt in die Zukunft schauen können, in der uns ein Gesundheitssystem erwartet, das auf Prävention und Vorsorge beruht, in dem gesunde Menschen den Arzt aufsuchen und kranke Patienten eine Minderheit darstellen". (kp)

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