Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" - Kommentar: Letzter Ausweg, erste Abkürzung (von Claudia Grabner)

Ausgabe 4. März 2007

Klagenfurt (OTS) - Ihr emsiges Lob, ihr spontaner Applaus - sie wurden in den vergangenen Jahren verlässliche Gradmesser für die Hellhörigkeit der Arbeitnehmer: Immer dann nämlich, wenn die Wirtschaft der Regierung ihren "Respekt" aussprach, wusste die Hacklerschaft: Jetzt wird´s für die Lehrherren ein bisserl genehmer, für die Arbeiter ein bisserl enger.
Nun, gestern haben Wirtschaft und Industrie gelobt. Haben applaudiert. Haben der Regierung ihren "Respekt" ausgesprochen: Das geschnürte Facharbeiter-Paket sei geprägt von Vernunft und Verantwortung. Mehr noch, es sei ein Gütesiegel. - Womit feststehen sollte: Sie müssten schrillen, die Alarmglocken der Arbeitnehmerschaft ...
Schrillen sie? Nein. Sie warten ab. Und das ist - in diesem Fall -gut so. Die SPÖ hat sich auf einen Kompromiss eingelassen, der weniger ein fataler denn vielmehr ein geschickter sein könnte. Warum? Weil der Kanzler das Hintertürl zum Haupttor erklärt hat:
Facharbeiter aus den neuen EU-Ländern nur dann - und zeitlich begrenzt -, wenn alle Qualifizierungsmaßnahmen der heimischen Arbeitskräfte ausgeschöpft sind. Der letzte Ausweg also. Dass sich Geschick irgendwann doch wieder in Fatalität umkehren kann, ist bekannt - und deshalb bleibt Vorsicht geboten. Vorsicht davor, dass die Wirtschaft den letzten Ausweg als erste Abkürzung nimmt.

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