GMTN-Foglar: Verunsicherungen bei Fachkräftemangel und Pension muss aufhören

Von 3.583 neuen Lehrstellen im Jahr 2006 ganze 9 in Industrie

Wien (GMTN/ÖGB) - "Wir hören immer nur Forderungen, Forderungen, Forderungen, aber nicht, was die Industrie selbst beitragen will, um den Fachkräftemangel zu beheben oder um längeres Arbeiten bei guter Gesundheit zu ermöglichen", kritisiert Erich Foglar, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Metall-Textil-Nahrung (GMTN), die gestrigen Aussagen von Wolfgang Welser, Obmann der Bundessparte Industrie in der Wirtschaftskammer. ++++

"Die Unternehmen sollen Lehrlinge ausbilden und verstärkt für die Weiterqualifikation ihrer Beschäftigten, z. B. mit bezahlter Bildungsfreistellung, sorgen, anstatt die Menschen ständig mit unseriösen Forderungen zu verunsichern", sagt Foglar. "Wiederholte Jubelmeldungen über das Ansteigen der Lehrstellen täuschen nicht darüber hinweg, dass die Unternehmen immer noch zu wenig für ausreichend Fachkräfte tun. Wer Fachkräfte will, muss welche ausbilden, so einfach ist das." Die 3.583 neuen Lehrstellen, die es 2006 im Vergleich zu 2005 gab, gingen nicht wirklich auf das Konto der Industrie - und das trotz Millionen Euro an Förderungen für die Unternehmen und Erleichterungen bei der Lehrlingseinstellung, manche zum Nachteil der Lehrlinge. In der Industrie gab es von 2005 auf 2006 gerade einmal 0,1 Prozent mehr Lehrlinge - das sind ganze neun Lehrstellen. Dass die Industrie den Fachkräftemangel am lautesten beklagt und für seine Behebung unausgegorene und nicht langfristig wirksame Vorschläge macht, ist sehr verwunderlich." Knowhow könne man nicht herbei fordern oder durch die Erhöhung des Pensionsantrittsalters sicherstellen, sondern nur durch rechtzeitige Ausbildung, durch ständige Qualifikation und Integration junger FacharbeiterInnen in den Unternehmen sicherstellen. In der Industrie seien seit 1995 insgesamt über 68.000 Arbeitsplätze verloren gegangen, "der Fachkräftemangel ist zu einem gewissen Grad auch darauf zurückzuführen", so Foglar.

Alternsgerechtes Arbeiten fördern

Foglar kritisiert auch Welsers Aussagen zum Pensionsantritt mit 67 Jahren: "Viele Menschen schaffen es schon jetzt nicht, bis zum Regelpensionsalter zu arbeiten, weil viel zu wenig für gesunde Arbeitsplätze und alternsgerechtes Arbeiten getan wird", sagt Foglar. "Bevor wir über eine Erhöhung des Pensionsantrittsalters auch nur eine Minute lang diskutieren, müssen uns die Unternehmen erklären, was sie konkret tun, um die Gesundheit ihrer Beschäftigten zu fördern, wie viele Menschen über 50 sie in den vergangenen Jahren eingestellt haben oder wie sie ihre MitarbeiterInnen permanent aus-und weiterbilden, sodass Fachkräftemangel erst gar nicht entstehen kann." Das Lissabon Ziel der EU in diesem Bereich lautet, bis 2010 eine Beschäftigungsquote von 50 Prozent bei den älteren ArbeitnehmerInnen (55 bis 64 Jahre) zu erreichen. Foglar: "Davon sind wir weit entfernt, die Quote lag in Österreich 2005 bei knapp unter 32 Prozent. Diese Verunsicherungen müssen aufhören, Probleme am Arbeitsmarkt muss man da, wo sie entstehen, in Angriff nehmen und nicht immer wieder über das Pensionssystem lösen wollen. Die Menschen arbeiten hart und haben sich nach dem Arbeitsleben Planbarkeit und Rechtssicherheit verdient."

ÖGB, 2. März 2007 Nr. 154

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