Tourismus im Zeichen von "Basel II" und Internationalisierungsdruck

WKS-Vizepräsident LAbg. Mag. Hans Scharfetter: Basis für eine neue "Eigenkapitalkultur" im Tourismus legen

Salzburg (OTS) - Wie der "Tag der Tourismuswirtschaft" am 6. März zeigen wird, steht auch der Salzburger Tourismus vor großen Herausforderungen. Angesichts labiler Winter und neuer Kreditvergaberichtlinien kommen die Betriebe vor allem bei der Finanzierung notwendiger Investitionen unter Druck. WKS-Vizepräsident LAbg. Mag. Hans Scharfetter fordert nun verstärkt den Einsatz von Garantie- und Eigenkapitalinstrumenten, wie sie für andere Branchen längst üblich sind.
"Basel II" - die verstärkte Ausrichtung der Verzinsung von Bankkrediten je nach Risiko der Kreditnehmer - erreicht nun auch die Tourismuswirtschaft. Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung veranlasst nun auch die Österreichische Hoteltreuhand - die Förderbank der österreichischen Tourismuswirtschaft -, in Hinkunft die Bonität der Kreditnehmer stärker zu berücksichtigen. "Dies stellt insbesondere die investitionsintensive Tourismuswirtschaft, in der nicht wenige Betriebe negatives Eigenkapital aufweisen, vor große Herausforderungen", stellt Scharfetter fest: "Die Kapitalbeschaffungskosten werden sich für viele Tourismusbetriebe deutlich erhöhen", befürchtet Scharfetter.
Werde daher nicht gegengesteuert, laufen wir Gefahr, dass der starke wirtschaftliche Motor des Tourismus ins Stottern gerät. Immerhin seien gerade in Salzburg die Tourismusbetriebe ein wesentlicher Investitionsfaktor für andere Branchen wie etwa der Bauwirtschaft und sorgen für Beschäftigung. Ebenso könnte die Tourismuswirtschaft angesichts der klimatischen Entwicklungen des heurigen Winters zunehmend mit einem höheren Ausfallsrisiko konfrontiert sein. "Vor dem Hintergrund schwieriger Saisonverläufe braucht es daher auch für den Tourismus verstärkt Risikokapital und Garantieinstrumente", fordert Scharfetter. Nach wie vor sei die Tourismuswirtschaft zu stark kreditlastig, d.h. fremdfinanziert.
So könnte etwa mit einem "Double Equity Garantiefonds" bei Investitionen Risiko- bzw. Eigenkapital zugeführt werden, wobei die Höhe des Eigenkapitalanteils durch einen zinsgünstigen Kredit verdoppelt wird. Kombiniert mit einer Garantie würden 100% des Kredits verbürgt werden. Dieses Instrument wäre auch für Betriebsübernehmer interessant, weil auch jene Eigenkapitalbeträge berücksichtigt werden, mit denen Firmenanteile erworben wurden. Auf jeden Fall kommt es dabei aufgrund eines höheren Eigenkapitalanteils und der Garantie zu einer deutlich besseren Einstufung im "Rating" bei den Banken und damit zu günstigeren Krediten.
Gleiches gilt für das generelle Instrument der Eigen- bzw. Risikokapitalgarantie bzw. Bürgschaften für Kredite. Während es für andere Branchen im Rahmen des Austria Wirtschaftsservice (aws) geeignete Instrumente gibt, fehlen diese für den Tourismus fast gänzlich. Bürgschaften und Garantien verbilligen ebenfalls die Finanzierungskosten.
"Wir müssen im Tourismus die Basis für eine neue Kultur des Eigenkapitals legen", ist Scharfetter überzeugt. Nur so können die notwendigen Maßnahmen zur Betriebsgrößenoptimierung, Qualitätsverbesserung und der Ausbau von Wellness-, Seminar- und Freizeiteinrichtungen zu vertretbaren Kosten verwirklicht werden. Neue Märkte für den Salzburger Tourismus ins Visier nehmen Herausforderungen sieht der Bad Hofgasteiner Hotelier und Gastronom aber auch im Tourismus-Marketing. "Der Internationalisierungsgrad steigt auch im Wintertourismus enorm", stellt der Vizepräsident der WK Salzburg fest. Deshalb sei es notwendig, neue Hoffnungsmärkte etwa in Osteuropa ins Visier zu nehmen, aber auch Länder wie Spanien und die Schweiz intensiver zu bearbeiten, was sich in der Gewichtung der Werbebudgets stärker ausdrücken sollte.
Notwendig ist dafür eine klare und kluge Aufgabenteilung zwischen der Österreich-Werbung und den Landestourismusorganisationen. Scharfetter regt in diesem Zusammenhang einen mehrjährigen Strategieplan für Marktbearbeitung an, samt entsprechender Finanzierung der Marketingorganisation. So ist laut Scharfetter die Dotierung der SLTG verglichen mit Ländern wie Tirol oder Kärnten eher bescheiden. Mehr Mittel für die Bewerbung sind auch für das wachsende Segment des Kongress- und Incentiv-Tourismus sinnvoll, ist Scharfetter überzeugt.
Um Werbemittel effizienter einzusetzen, halten Scharfetter und die Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft ein verstärktes strategisches Destinationsmanagement für notwendig. "Es sollten Marketing-Kooperationen auf regionaler Ebene gefördert werden. Nur so können international wahrnehmbare Destinationen und Marken geschaffen werden, das Kirchturmdenken muss im Tourismus endgültig der Vergangenheit angehören", fordert Scharfetter ein. Notwendig ist ein Blick über den jeweiligen Tellerrand hinaus und er nennt als aktuelles Beispiel die Kooperation zwischen Landeshauptstadt und Umlandgemeinden. Im "Endausbau" könnten so rund 15 Salzburger Regionskooperationen entstanden sein, die unter einem gemeinsamen Dach auftreten. "Den Tiroler Weg der Zwangsfusionen von Tourismus-Verbänden wollen wir nicht gehen. Salzburg soll auch weiterhin auf freiwillige Zusammenschlüsse setzen." Selbst hervorragend profilierte Tourismusorte wie St. Moritz setzen auf eine gemeinsame Vorgangsweise mit anderen Orten im Engadin. Der erfolgreiche Kurdirektor von St. Moritz, Hanspeter Danuser, wird beim "Tag der Tourismuswirtschaft" am 6. März über die beispielgebenden Erfolgsstrategien im Oberengadin berichten.

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