AK Untersuchung: Wirtschaft fest in Männerhand - nur jedes 20. Vorstandsmitglied ist weiblich

In 176 der österreichischen Top 200 Kapitalgesellschaften ist keine einzige Frau in der Geschäftsführung

Wien (OTS) - Männer bleiben in den Führungsetagen der Top-Unternehmen lieber unter sich, zeigt eine aktuelle AK Untersuchung der 200 größten österreichischen Kapitalgesellschaften. Der Frauenanteil in der Geschäftsführung liegt demnach bei fünf Prozent - das sind 28 Frauen von insgesamt 562 Geschäftsführern. In den Aufsichtsräten entfallen 10,4 Prozent der Mandate auf Frauen. In den 200 untersuchten Unter-nehmen haben gerade einmal 15 zumindest eine Frau in den beiden Gremien. "Dieser faktische Ausschluss von Frauen ist ein Armutszeugnis für die Unternehmens-leitungen", sagt Studienautorin Eva Schiessl von der Abteilung Betriebswirtschaft der AK Wien, "da läuft was falsch und mit der Ausbildung kann das nichts zu tun haben. Mehr als die Hälfte der Wirtschafts- oder JusabsolventInnen sind Frauen und an der Spitze der österreichischen Unternehmen haben trotzdem praktisch nur die Männer das Sagen. Und die entscheiden dann über die Interessen von Mitarbeiterinnen und Konsumentinnen." Damit die "österreichische Wirtschaft endlich die demografische Wirklichkeit widerspiegelt" fordert Schiessl, dass der Ankündigung im Regierungsprogramm "Förderung von Frauen in Führungspositionen" auch konkrete Maßnahmen folgen. Das können Bewusstseinbildungskampagnen sein, die freiwillige Implementierung von Diversitätsmaßnahmen sowie ein Festschreiben der Ziele im Corporate Governance Kodex. Schiessl: "Letztlich sind auch ge-sellschaftsrechtliche Regelungen auf gesetzlicher Basis denkbar, wie sie Norwegen bereits erfolgreich umgesetzt hat."

Im Februar hat die Abteilung Betriebswirtschaft der AK Wien die Top 200 Kapitalgesellschaften (AG und GmbH) aus der AK-Datenbank anhand des Firmenbuches (Stand Fe-bruar 2007) untersucht. Diese untersuchten Unternehmen beschäftigen 634.000 MitarbeiterInnen, in den Unternehmen gibt es 562 GeschäftsführerInnen und 1.568 AufsichtsrätInnen.

88 Prozent der Top 200 Unternehmen haben keine Frau in der Geschäftsführung

Die Frauenpräsenz an der Spitze der österreichischen Top 200 Unternehmen ist äußerst gering. Nur fünf Prozent oder 28 Frauen haben eine Spitzenposition in den untersuchten Unternehmen. Anders ausgedrückt: In 176 von 200 Unternehmen ist keine einzige Frau in der Geschäftsführung.

Besonders gering (in Geschäftsführung aber auch im Aufsichtsrat) ist der Frauenanteil vor allem in den Branchen Transport/Logistik, Energie, Bau, IT/Telekom und Sachgüter-industrie. Nur im Dienstleistungsbereich und bei Banken/Versicherungen ist die Frauen-quote in den Führungsetagen höher.

Zehn Prozent Frauenanteil im Aufsichtsrat

Die Verteilung im Aufsichtsrat zeigt ein ähnliches Bild wie in der Geschäftsfüh-rung/Vorstand. In den analysierten Unternehmen sind insgesamt 1.568 AufsichtsrätInnen für die Kontrolle verantwortlich, davon entfallen lediglich 163 Mandate auf Frauen. Somit ist der Frauenanteil von 10,4 Prozent auch in diesem Gremium sehr gering.

Im internationalen Vergleich weit hinter Skandinavien

Laut einer Studie des European Professional Women’s Network aus dem Jahr 2006 bewegt sich Österreich mit diesen Zahlen im europäischen Durchschnitt (board: 8,5 Prozent), liegt aber weit hinter den skandinavischen Ländern (board: 22,5 Prozent). In diesen Ländern stieg der Frauenanteil in den letzten beiden Jahren noch weiter, was auf die Vorbildwirkung der gesetzten Maßnahmen in Norwegen auch für nicht börsenotierte Un-ternehmen zurückzuführen sein dürfte.

Norwegen ist das erste Land innerhalb der EU mit einer gesetzlichen Regelung betref-fend einer Frauenquote in Unternehmen: In börsennotierten Unternehmen müssen künftig 40 Prozent der Sitze in Aufsichts- oder Verwaltungsräten mit Frauen besetzt sein. Schweden bereitet ein ähnliches Modell vor.

Service: Die gesamte Untersuchung finden Sie auf http://wien.arbeiterkammer.at

HINWEIS: Heute, Freitag, 2. März, finden im Rahmen der AK Veranstaltung "Diversität: mehr Frauen in Aufsichtsräte" ein Vortrag über das skandinavische Modell der Quotenregelung in Aufsichtsräten und eine Diskussion mit VertreterInnen aus Praxis und Wissenschaft statt. Zeit: 16.30 bis 19.00 Uhr. Ort: BAWAG PSK Veranstaltungszentrum, Hoch-holzerhof, 1, Seitzergasse 2-4.

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