NÖ braucht mehr Spitalsärzte

Wien (OTS) - "Rund 350 zusätzliche Spitalsärzte wären in Niederösterreichs Krankenhäusern nötig, wenn wir unseren medizinischen Betrieb und alle derzeitigen Leistungen aufrecht erhalten und gleichzeitig das Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz mit den ohne Betriebsvereinbarung möglichen Arbeitszeiten einhalten würden", erklärte heute Dr. Gerhard Schuh, Vertreter der angestellten Ärzte in der NÖ Ärztekammer und Oberarzt auf der Unfallchirurgie im Krankenhaus St. Pölten. Derartig viele Ärzte kurzfristig für Niederösterreichs Spitäler zu bekommen, ist jedoch völlig unrealistisch. Um allerdings weiterhin die medizinische Versorgung in gleicher Form aufrecht erhalten zu können, wurden nun in allen Krankenhäusern Niederösterreichs - mit Ausnahme von St. Pölten -entsprechende Betriebsvereinbarungen abgeschlossen, das bedeutet, die meisten Behandlungen können nach wie vor ausschließlich durch massive Überstunden der Ärzte erfolgen.

Nur durch die Bereitschaft länger als im Rahmen des Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetzes ohne Betriebsvereinbarung zu arbeiten, ist damit die Versorgung der Patienten auch in Zukunft gewährleistet.

Das Krankenhaus St. Pölten befindet sich derzeit in einer Spezialsituation, in welcher noch zwei strittige Punkte zwischen dem Land NÖ und den dortigen Spitalsärzten geklärt werden müssen. Dr. Gerhard Schuh: "Die Verhandlungen in den nächsten Tagen werden zeigen, ob es gelingt, diese Bereiche partnerschaftlich zu lösen. Ich persönlich bin zuversichtlich, dass wir dies auch in St. Pölten schaffen werden."

Dr. Schuh wies auch darauf hin, dass sich die Situation in den niederösterreichischen Krankenhäusern in den letzten zehn Jahren dramatisch verändert hat. Schuh: "Während sich die Anzahl der Operationen und der behandelnden Patienten um mehr als 25 Prozent nach oben entwickelt hat, wurden gleichzeitig zum einen 10 Prozent der Krankenhausbetten abgebaut, zum anderen hat sich die Aufenthaltsdauer der Patienten in den Spitälern dramatisch reduziert. Trotz dieser Entwicklung ist die Anzahl der Spitalsärzte in keinem adäquaten Verhältnis gestiegen. Die Folge: Mehr Patienten, mehr Operationen und kaum mehr Ärzte. Doch dieser Situation wird man in den nächsten Jahren Rechnung tragen müssen. Speziell in den so genannten Mangelfächern, wie Anästhesie, Kinderheilkunde oder Neurochirurgie, müssen konstruktive Modelle gemeinsam vom Land NÖ und Ärzten entwickelt werden, die für Ärzte einen Anreiz bieten, in einem niederösterreichischen Spital tätig zu werden."

"Das neue Spitalsärztegesetz, welches in Kürze seitens der NÖ Landesregierung beschlossen werden soll, ist ein konstruktiver, aber nur erster Schritt auf dem Weg, den NÖ-Spitalsarzt ein wegen seiner zwölfjährigen Ausbildung und seiner unmittelbaren Verantwortung entsprechendes Grundgehalt für 40 Stunden pro Woche zu ermöglichen", so der Vertreter der Spitalsärzte abschließend, "weitere Verhandlungen werden in Zukunft folgen müssen, damit eine so effektive Berufsgruppe endlich ihre gerechte Lebensperspektive erhält."

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