Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Erfolge und Blamagen

Wien (OTS) - Wie langweilig wäre Österreich, gäbe es nicht seit Jahr und Tag die Freiheitlichen Ritterspiele. Tückische Morde und finstere Intrigen werden auf Wunsch gerne wiederholt, neuerdings verkündet sogar das Mordopfer selbst sein Ableben - noch bevor ihn der tödliche Dolch ereilt.

Die Zeit, in der man Schmierenkomödianten noch irgendwie ernst genommen hat, sind ja zum Glück schon lang vorbei. Ebenfalls vorbei sind aber auch die Zeiten, da das Dritte Lager unter einem Peter, einem Steger oder gar einer Riess-Passer ein ernstzunehmender Faktor in der Politik dieses Landes gewesen ist.

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Noch will man es ja nicht glauben. Denn sowohl die Performance der ersten Wochen wie auch die Geschichte aller großen Koalitionen sprechen dagegen, dass es wirklich wahr ist. Aber derzeit sieht alles danach aus, als ob die Regierung problemlos und in Rekordzeit ein Doppelbudget verschnürt hätte. Gewiss, die blendende Konjunkturlage würde eigentlich selbst das kleinste Defizit verbieten. Dennoch ist der Budget-Konsens eine Leistung, vor der man den Hut ziehen muss -sofern es dabei bleibt.

Jedenfalls darf sich jetzt niemand vor den diversen Lobbies fürchten. Diese werden in den nächsten Tagen laut aufheulen, sobald sie merken, dass viele Forderungen wieder unerfüllt geblieben sind.

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Gewerkschaft und SPÖ bleiben dabei: Es gibt auch in den von der Industrie beklagten Mangel-Sparten genügend Arbeitslose. Was die Statistiken zu bestätigen scheinen. Dem steht freilich der massive, durch viele Indizien erhärtete Verdacht gegenüber, dass fast keiner jener Arbeitslosen auch wirklich arbeitswillig und -fähig ist. Die Gewerkschaft könnte das leicht widerlegen: Sie nimmt arbeitslose Facharbeiter an der Hand, führt sie zu den offenen Jobs und garantiert, dass die Arbeiter ihr Fach beherrschen und dass sie auch am zweiten, dritten und vierten Tag mit vollem Engagement zur Arbeit kommen.

Statt mit Statistiken zu jonglieren könnte man so Wirtschaft und Wirtschaftsminister ganz leicht und öffentlich bis auf die Knochen blamieren. Freilich hätte dann auch das eigentlich zur Vermittlung berufene AMS ziemlichen Erklärungsbedarf.

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