Lopatka sieht Vorbereitung für Fußball-EM 2008 auf gutem Weg Aktuelle Aussprache im Sportausschuss des Nationalrats

Wien (PK) - Die Fußball-Europameisterschaft 2008 stand heute im Mittelpunkt einer Aktuellen Aussprache im Sportausschuss des Nationalrats. Dabei betonten sowohl Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka als auch der Regierungskoordinator für die EURO 2008, Heinz Palme, dass sich Österreich bei der Vorbereitung auf die EM auf gutem Weg befinde, auch wenn Palme bei den PR-Maßnahmen einen gewissen Verzug sieht. Das Sicherheitskonzept sei grundsätzlich abgeschlossen, sagte Lopatka, auch beim Stadienbau sei man im Zeitplan und im Kostenrahmen. Gegenwärtig werde mit den Verkehrsbetrieben über günstige Kombiangebote verhandelt. Palme zeigte sich überzeugt, dass es eine "sehr, sehr tolle EM" wird, auch wenn man derzeit in Österreich noch keine richtige Atmosphäre spüre.

Eingangs der Aktuellen Aussprache informierte Regierungskoordinator Palme die Abgeordneten umfassend über die "relativ komplizierte" Organisationsstruktur der EM und über den aktuellen Stand der Vorbereitungen. Kurz gefasst ist demnach die UEFA für die Turnierorganisation verantwortlich, der Österreichische Fußballbund für die Stadioninfrastruktur und die Koordinationsstelle der Bundesregierung für die Bereitstellung der allgemeinen Infrastruktur und die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit.

Insgesamt hat die Koordinationsstelle der Regierung vier große Projektgruppen eingerichtet: die Projektgruppe Sicherheit, die Projektgruppe Verkehr, die Projektgruppe Marketing und die Projektgruppe "Österreich am Ball". Letztere ist für die Aufbereitung der Fußball-EM im eigenen Land zuständig und will in diesem Zusammenhang etwa Schulprojekte oder eine große Roadshow organisieren. Auch die Einrichtung einer Internet-Community ist, wie Palme berichtete, geplant. Start für das Aktionsprogramm ist der 12. März.

Im Bereich des Verkehrs strebt man Palme zufolge Kombitickets an. Jeder Stadionbesucher, der ein Ticket habe, solle im zeitlichen Umfeld des Spiels nicht nur Freifahrt im öffentlichen Nahverkehr haben, sondern auch die Bundesbahnen nutzen können, um den Straßenverkehr so weit wie möglich zu reduzieren, skizzierte er. Hier seien die Verhandlungen aber noch nicht abgeschlossen.

In der Debatte wurden von den Abgeordneten u.a. die Kostenfrage (Abgeordneter Dieter Brosz, G), die erwarteten Zuschauerzahlen, die behindertengerechte Ausgestaltung der Stadien (Abgeordneter Wolfgang Zanger, F), geplante Maßnahmen gegen Hooligans, der beabsichtigte Rückbau mancher Stadien nach der Fußball-EM, die Nachwuchsförderung im Fußballsport (Abgeordneter Peter Haubner, V), die Einrichtung von Fanmeilen, das Projekt "Fair Play" (Abgeordnete Ulrike Lunacek, G), die Frage der Nachhaltigkeit, das Thema Doping und die Tourismuswerbung angesprochen.

So trat etwa Abgeordneter Peter Westenthaler (B) gegen einen Rückbau der Stadien in Klagenfurt, Innsbruck und Salzburg ein und sprach von einem "Schildbürgerstreich". Man soll vielmehr versuchen, die Stadien nach der EM mit anderen Veranstaltungen, etwa kulturellen Veranstaltungen, zu füllen, forderte er. Abgeordneter Peter Haubner (V) machte geltend, dass man das Salzburger Stadion für die Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 2014 benötigen könnte.

Abgeordneter Peter Wittmann (S) hob hervor, die Fanmeilen in Deutschland hätten wesentlich dazu beigetragen, der Fußball-WM einen sympathischen Charakter zu verleihen. Er mahnte in diesem Bereich eine zentrale Koordinierung in Österreich ein. Abgeordneter Herbert Kickl (F) bekräftigte in Zusammenhang mit Doping, "wir wollen nicht nur eine sichere Europameisterschaft, sondern auch saubere Spiele". Abgeordneter Karlheinz Kopf (V) machte geltend, "das drittgrößte Sportereignis der Welt" biete große Chancen, Österreich im Ausland zu präsentieren.

Sportstaatssekretär Lopatka teilte den Abgeordneten mit, dass sich die Kosten für die Fußball-EM im vorgesehenen Rahmen bewegten. Bei den Stadienbauten gebe es keine Kostenexplosionen, versicherte er. Allerdings hätten sich zusätzliche Investitionen für das Wiener Stadion im Ausmaß von 12 Mill. € als notwendig erwiesen, wovon der Bund 50 % zu tragen habe. Für den Stadionrückbau würden letztendlich die Eigentümer der Stadien die Verantwortung tragen, sagte Lopatka, wobei etwa in Klagenfurt die Idee aufgetaucht sei, das Stadion multifunktional zu nutzen und ein paar Jahre abzuwarten, ob ein Rückbau angebracht sei. Einer behindertengerechten Ausgestaltung der Stadien wird ihm zufolge entsprechender Stellenwert eingeräumt.

Zur Frage der Sicherheit merkte Lopatka an, ein ganz großer Teil der Fans werde nach Österreich kommen, um ein Sportfest zu erleben. Es sei geplant, die Fans zu begleiten und zu betreuen und durch verschiedene Aktionen eine positive Fankultur zu fördern. Hooligans seien, so Lopatka, eine verschwindende Minderheit.

Im Bereich des öffentlichen Verkehrs gelte es, so Lopatka, so günstige Angebote zu haben, dass der Verkehr auf der Straße nicht zum Erliegen komme.

Regierungskoordinator Palme hielt fest, man gehe davon aus, dass rund drei- bzw. viermal so viele Fußballfans kommen werden, wie es EM-Tickets gebe. Was die Fanmeilen betrifft, gibt es ihm zufolge einen Vertrag mit den vier österreichischen Austragungsstädten, der diese verpflichte, Fanzonen einzurichten. Für andere Städte könnten Lizenzen in einem Online-Verfahren beantragt werden, wobei eine Lizenz, so Palme, nicht automatisch bedeute, dass die Behörden vor Ort der Veranstaltung auch zustimmten. Das Innenministerium sei gerade dabei, Richtlinien dafür zu erarbeiten. Die Gefahr von Hooligans ist laut Palme auch deswegen eingeschränkt, weil durch die Reduktion auf vier Karten pro Bestellung keine Bildung von großen Gruppen zu erwarten sei.

Abseits der Fußball-EM sprach Abgeordnete Ulrike Lunacek (G) das Thema Frauenförderung im Sport an. Abgeordneter Peter Westenthaler (B) brachte die angespannte finanzielle Lage vieler Fußballklubs zur Sprache und plädierte dafür, die wirtschaftliche Prüfung der Klubs auszulagern.

Staatssekretär Lopatka hielt dazu fest, es sei explizites Ziel der Bundesregierung, bei der Sportförderung verstärkt geschlechtergerechte Aspekte zu berücksichtigen. Die Situation im österreichischen Fußball wertete er als sehr ernst. Es müsse künftig gewährleistet werden, dass im Rahmen der Lizenzierungsverfahren "alles auf den Tisch kommt", forderte er, und es müsse entsprechende Konsequenzen geben, wenn die Anforderungen nicht erfüllt würden.

Besondere Bedeutung misst Lopatka, wie er sagte, auch der Ausweitung des Sport- und Bewegungsangebots an Schulen zu. (Schluss)

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