"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Noten reichen nicht" Von Miriam SULAIMAN

Ausgabe vom 1. März 2007

Innsbruck (OTS) - Die Tiroler Gymnasien werden nicht gestürmt. Sie sind überfüllt. Aber das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Im Bundesländervergleich besucht in Tirol sogar nur ein geringer Prozentsatz der Volksschüler ein Gymnasium. Damit haben diese Schüler umso mehr ein Anrecht auf einen Platz in ihrer Wunschschule und auf gute Lernbedingungen.

Mag sein, dass manches Kind nicht die erforderliche Leistung für die Wunschschule erbringt. Darüber dürfen aber nicht die Noten allein entscheiden. Lehrer benoten unterschiedlich, die Standards zwischen den einzelnen Volksschulen sind unterschiedlich. Der Eignungstest wäre eine gute Lösung gewesen - nur ließ der Landesschulrat die Eltern und Lehrer der Gymnasien befragen. Damit war der Versuch zum Scheitern verurteilt. Hätten die Eltern der betroffenen Volksschulkinder die Möglichkeit gehabt, sich zu Wort zu melden, das Ergebnis hätte anders ausgeschaut.

Die Einteilung der Schüler in diverse Reifekategorien ist kein Angriff auf die Hauptschulen. Im Endeffekt erhalten die Kinder nur, was ihnen zusteht: dass sie jene Schule besuchen, die ihren Neigungen entspricht. Der Test entscheidet ja auch nicht grundsätzlich über die Gymnasialreife, sondern über die Aufnahme an der Wunschschule. Und damit können die Eltern den Test auch als Zukunftsberatung sehen.

Die Bedingungen, unter denen die Schüler derzeit lernen, sind alles andere als rosig. Um in Innsbruck all jene unterbringen zu können, die Gymnasialreife aufweisen, müssen 15 Klassen entweder in Container oder in angemietete Räume gepfercht werden. Das fünfte Gymnasium ist versprochen und soll das Raumproblem lösen. Doch der Bund ziert sich. Während an den Vertragsklauseln gefeilt wird, müssen die Kinder seit Jahren mit unzumutbaren Zuständen leben. Es ist Zeit für den Spatenstich.

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