Neues Volksblatt: "Gefängnistore" (von Markus Ebert)

Ausgabe vom 1. März 2007

Linz (OTS) - Dass Österreichs Gefängnisse randvoll sind - aktuell gibt es 9093 Straf- und Untersuchungshäftlinge -, lässt unterschiedliche Interpretationen zu.
So könnte man sagen, die
Exekutive arbeitet gut, daher landen viele Täter vor dem Kadi und in der Folge in der Zelle. Man könnte, insbesondere im Hinblick auf den 42-Prozent-Anteil von Ausländern an den Straf- und U-Häftlingen, auch sagen, dass es sich weit herumspricht, wo etwas zu holen ist. Möglich ist aber auch der Schluss, dass offenbar die angedrohten Strafen nicht immer abschreckend genug sind.
So oder so hat zu gelten: Jedes andere Signal als jenes, dass Straftaten hierzulande nicht als Kavaliersdelikte geahndet werden, wäre eine Einladung an kriminelles Gesindel, es sich bei uns gemütlich einzurichten. Wenn die Justizministerin Maßnahmen zur Senkung der Häftlingszahlen plant, dann gilt es dabei das Augenmaß zu wahren. Keinesfalls darf der Eindruck vermittelt werden, dass man in Österreich ohnehin schnell wieder draußen ist, oder dass die Schwere des Delikts in keinem Verhältnis zur Haftzeit stehen wird. Tage der offenen Tür haben auf diesem Sektor keine Berechtigung.

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