Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Wien (OTS) - Die Faust ist leer

Der Zufall ist meist schöner als die Planung. Genau an dem Tag, an dem der Rechnungshof aufdeckt, wie sehr die Bundesländer in den Pflichtschulen Steuergeld verschwenden, findet sich unter den Stellen-Informationen der "Wiener Zeitung" die Suche nach einem "Subventionslehrer".

"Einer?", könnte man gemäß dem alten Geisterfahrer-Witz fragen. "Nein, Zehntausende."

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Der warme Winter tut der Umwelt gut. Es wurde weniger Energie verbraucht als erwartet. Dies tut den Geldbörsen gut. Öl-, Strom- und Gas-Preise sinken. Dies tut freilich der Umwelt gar nicht gut. Denn niedrige Preise regen ja zum Konsum und nicht zum Sparen an. Preise sind als Regelungsmechanismen viel wirksamer als die bürokratischen Energiespar-Strategien, die gerade wieder diskutiert werden. Wann, wenn nicht jetzt, wäre es an der Zeit, dass europaweit die Energie-Steuern kräftig steigen? Und die - besonders in Österreich hohen - Abgaben auf Löhne sinken.

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Über das Gratisblatt "Österreich" viele Worte zu verlieren, ist eher Zeitverschwendung. Auf dem Boulevard sind die Sitten halt tief und fallen immer tiefer. Man kann aber nicht immer nur die dortigen Zeitungsmacher geißeln. Denn ebenso trägt (siehe auch das Extrembeispiel Kinderpornografie) der Konsument ein Stück Verantwortung.

Genauso ernst ist die Frage, warum die Polizei nicht imstande ist, sofort alle Leitungen in eine von einem Geiselnehmer gekaperte Bank zu kappen. Unter polizeilicher Professionalität stelle ich mir etwas anderes vor - oder gibt‘s die nur in Krimis?

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Der Bundeskanzler war in Prag - und erklärte den Tschechen doch nicht den Krieg, obwohl man das zwischen Linz und dem grünen Hauptquartier anscheinend so wollte. Auch alle fünf Parlamentsparteien hatten eine "Völkerrechtsklage" gegen die Tschechen verlangt - ohne zu sagen, bei welchem Salzamt diese eingebracht werden könnte.

Langsam sollte sich herumsprechen, dass das Völkerrecht nur marginal ein "Recht" ist. Daher sollte man Nachbarn weniger drohen, sondern viel mit ihnen reden. Das gilt besonders bei sehr nervösen Nachbarn.

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