WirtschaftsBlatt Kommentar vom 1.3.2007: Panik ist ein schlechter Ratgeber - von Herbert Geyer

China, Öl und Rohstoffe müssen mit Verlusten rechnen

Wien (OTS) - Es liegt im Wesen von Aktienmärkten, dass sie, wenn sie einmal gestiegen sind, auch wieder fallen können. Das Gemetzel, das am Dienstag von Shanghai aus mit einem Minus von neun Prozent seinen Ausgang nahm, ist also nur vom Ausmass her überraschend und auch das nicht wirklich. Immerhin hat Shanghai seinen Wert im vergangenen Jahr verdoppelt und ist auch nach dem Einbruch mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von fast 40 noch recht teuer.
Shanghai wird also wohl obwohl es dort gestern wieder aufwärts gegangen ist noch ein wenig nachgeben müssen. Auch der Nikkei, der die wichtigsten Tokioter Aktien repräsentiert, ist mit einem KGV von rund 38 nicht gerade billig.
Der Dow Jones aus New York ist mit rund 20 vergleichsweise günstig bewertet, dort besteht aber weiterhin das Risiko eines stärkeren Konjunktureinbruchs. Im Vergleich dazu sind europäische Aktien derzeit eine wahre Mezzie: Die wichtigsten unter ihnen, die im Stoxx 600 zusammengefasst werden, werden derzeit mit einem KGV von 15,5 gehandelt, Wiens ATX liegt mit knapp 16 nur wenig darüber, der CECE mit den wichtigsten Osteuropa-Aktien bei 14,7 und der deutsche Dax ist mit knapp 14 sogar ziemlich billig.
Die Aktienmärkte insbesondere in Europa sind daher fundamental nur dann gefährdet, wenn es zu überraschenden Gewinneinbrüchen kommt. Dafür gibt es aber keine Anzeichen.
Tatsächlich gibt es momentan für die Weltkonjunktur zwei reale Gefahren: Zum einen könnte der erwartete Konjunktureinbruch in den USA schroffer ausfallen als bisher befürchtet. Eine derartige Andeutung des emeritierten Fed-Chefs Allan Greenspan hat ja das Debakel in Shanghai ausgelöst. Ein solcher Konjunktureinbruch würde auch die wichtigsten Exportpartner der USA empfindlich treffen allen voran China, aber auch Japan. Europa auch deswegen weniger, weil es mit den osteuropäischen Reformstaaten eben erst einen aufnahmefähigen Wachstumsmarkt integriert hat.
Ein Konjunktureinbruch beim grössten Energie- und Rohstoffkonsumenten lässt natürlich und das ist die zweite Gefahr auch Energie- und Rohstoffpreise in den Keller rasseln. Kurz: Die ergiebigsten Spekulationsobjekte der letzten Zeit China, Öl und Rohstoffe müssen mit Verlusten rechnen.
Anleger müssen also in nächster Zeit ihre Investments ein wenig selektiver platzieren, zur Panik besteht aber kein Anlass. Und Angst war immer schon ein schlechter Ratgeber.

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