Küng im ÖSTERREICH-Interview: Verhaltensstörungen bei Jugendlichen nehmen zu

Glawischnig: Aussagen sind "extrem familienfeindlich".

Wien (OTS) - Familienbischof Klaus Küng meldet sich bei der Diskussion um Kinderbetreuungsplätze nun im ÖSTERREICH-Interview zu Wort. Der Bischof schließt sich der Forderung von Weihbischof Andreas Laun nach einem "Müttergehalt" an. Er habe schon mehrmals gefordert, dass für Mütter, die sich den Kindern widmen, kein finanzieller Nachteil entstehen soll. Die Grüne Parteivizechefin Eva Glawischnig empfindet die Aussagen der Kirchenmänner als "extrem familienfeindlich", berichtet die Tageszeitung ÖSTERREICH in ihrer Mittwoch-Ausgabe.

Die Arbeit von Kindergärtnerinnen sei wertvoll, aber Eltern seien durch Fachleute nicht ersetzbar: Aus der Gehirnforschung wisse man, dass "sich Kinder besser entwickeln, wenn sie von den eigenen Eltern betreut werden". Der Kritik, dass die Kirche ein konservatives Frauenbild habe, hält Küng entgegen: "Ich glaube, es ist sehr konservativ, wenn man wiederholt, was in kommunistischen Staaten praktiziert wurde. Als man den Familien die Kinder früh weggenommen hat, weil man meinte, der Staat mache das besser. Das hat sich überhaupt nicht bewährt. Und aus Schweden und Finnland wird berichtet, dass die Verhaltensstörungen bei Kindern zunehmen. Das ist auch bei uns bemerkbar".

Küng räumt allerdings ein, dass die Aussage des deutschen Bischofs Walter Mixa, wonach Frauen, die nach der Geburt ihres Kindes wieder in den Beruf einsteigen, zu "Gebärmaschinen" degradiert würden, "unglücklich" sei. Der Wiener Moraltheologe Paul Zulehner mahnt eine "Lobby für Kinder" ein. "Wenn ein Kind in einer Kinderkrippe ist, muss das dem Kind nicht schaden. Man sollte aber das Kind nicht wegen der Doppelbelastung abgeben. Krippen sind keine Schließfächer für kleine Kinder".

Die Grüne Nationalratspräsidentin Eva Glawischnig reagiert schwer verärgert: Sie hält die Aussagen Launs und Küngs für "extrem familienfeindlich". Die Kirchenmänner sollen ihre Ratschläge ans Christkind schicken, aber was sich die Frauen wirklich wünschen, dass wüssten die Frauen schon selber. "Diese Aufteilung, das die einen Zuhause bei der Feuerstelle sitzen und die anderen ausziehen um das Mammut zu erlegen, das gehört ins letzte Jahrtausend, aber nicht in das 21. Jahrhundert".

SPÖ-Landeshauptfrau Gabi Burgstaller wettert: "In jenen europäischen Ländern, wo die Religion die Frauenfreiheit einschränkt, leiden Frauen und die Bevölkerung schrumpft stark". Ihre Parteikollegin, Frauensprecherin Gabriele Heinisch-Hosek, plädiert für die Abschaffung des Zölibats: "Weg mit dem Zölibat! Dann würden die Priester mehr Verständnis haben. Ich finde es unerträglich, dass sie sich anmaßen zu wissen, was gut für ein Kind ist, wenn sie gar nicht mit Kindern leben."

Unterdessen bemüht sich Bundespräsident Heinz Fischer indirekt um eine Beruhigung der Diskussion. In einer Rede bei der Ordensverleihung für die Bischöfe Christoph Schönborn, Klaus Küng, Paul Iby und Helmut Krätzl sagte Fischer in Bezug auf "sehr aktuelle Probleme in der Familienpolitik": "Kirche und Staat arbeiten vertragstreu und harmonisch zusammen. Das ist alles, wie wir wissen, keine Selbstverständlichkeit".

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