AK zu Fachkräftemangel: 11.000 Arbeit suchende Metall-FacharbeiterInnen sitzen auf der Wartebank

Wien (OTS) - "Wenn Unternehmen Arbeitskräfte mit bestimmten Qualifikationen suchen, ist es selbstverständlich, diesen Bedarf zu decken. Aber vorschnell zur Anheuerung ausländischer Fachkräfte zu greifen, ist das falsche Weg", sagt Christoph Klein, Bereichsleiter für Soziales in der AK Wien: "11.000 FacharbeiterInnen mit Lehrabschluss in einem Metallberuf sitzen auf der Wartebank. Sie suchen und wollen Arbeit, und die Chance auf Arbeit muss ihnen gegeben werden." Es wäre unfair den 11.000 Arbeit suchenden Metall-FacharbeiterInnen nicht die Möglichkeit auf Aufschulung und Beschäftigung als Schweißer, Dreher oder Fräser zu geben. "Mit der Anwerbung ausländischer Metallarbeiter erklärt man diese 11.000 Menschen taxfrei für arbeitsunfähig", kritisiert Klein.

Ende Jänner waren 350.000 Menschen ohne Arbeit, darunter 11.000 FacharbeiterInnen mit Lehrabschluss in einem Metallberuf. Bis 2010 werden zudem aufgrund der prognostizierten Bevölkerungsentwicklung und der laufenden Anhebung des Pensionsalters weitere 120.000 Menschen Arbeit benötigen. "Jedes sich eröffnende Beschäftigungsfeld müssen wir ausnützen und aus dem vorhandenen Arbeitskräftepotential besetzen", fordert Klein. Es ist möglich, innerhalb von sechs bis acht Wochen aus dem Kreis der 11.000 Arbeit suchenden Metallfacharbeiter mit Kursen gezielt die von den Unternehmen nachgefragten Fertigkeiten im Schweißen, Drehen und Fräsen zu vermitteln. Es gibt Schulungen in hochspezialisierten Berufsausbildungszentren in ganz Österreich, die auf eine entsprechende Einstellzusage vom Arbeitsmarktservice (AMS) organisiert und finanziert werden. Und es gibt die sogenannten Implacement-Stiftungen, in der AMS und Unternehmen gemeinsam die Stellenwerber aussuchen und die Aufqualifizierung punktgenau auf den zu besetzenden Arbeitsplatz (samt Einschulung im Betrieb) zuschneiden. Auf solche hochwertigen Qualifizierungsmaßnahmen muss die Arbeitsmarktpolitik verstärkt setzen.

Auch die Unternehmen müssen umdenken und ihre Versäumnisse in Sachen Aus- und Weiterbildung aufarbeiten. Der Abbau von 50.000 Lehrstellen in den letzten zwei Jahrzehnten und halb so viel innerbetriebliche Weiterbildung in den österreichischen Betrieben verglichen etwa mit skandinavischen oder britischen Unternehmen zeigen deutlich, wo die Ursachen für fehlende Facharbeiterqualifikationen liegen. Die Ausbildungsversäumnisse der Unternehmen dürfen nicht durch die Heriennahme billiger ausländischer Arbeitskräfte belohnt werden. "Damit erzieht man sie gerade noch dazu, weiterhin keine Lehrlingsausbildung und weiterbildung zu betreiben", sagt Klein.

Außerdem sollte sich in einer Marktwirtschaft eine steigende Nachfrage nach gut qualifizierten ArbeitnehmerInnen auch in steigenden Löhnen ausdrücken. "Das würde die Kaufkraft und das Wirtschaftswachstum stärken und das permanente Nachhinken der Löhne hinter den Kapitaleinkommen in den letzten Jahren wenigstens ein bisschen ausgleichen. So eine Entwicklung durch Anwerbung billiger ausländischer Fachkräfte abzuwürden wäre kontraproduktiv", sagt Klein.

Rückfragen & Kontakt:

Thomas Angerer
AK Wien Kommunikation
tel.: (+43-1) 501 65-2578
thomas.angerer@akwien.at
http://wien.arbeiterkammer.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AKW0002