"Kleine Zeitung" Kommentar von Michael Tschida

Ausgabe vom 27.02.2007

Graz (OTS) - "Ich danke Arnold Schwarzenegger für die Lektion,
dass ich die Worte ,Ich kann nicht' aus meinem Vokabular streichen sollte", winkte Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck mit seinem Oscar in der Hand.

O ja, man kann. Das hat Arnie nicht nur Filmkollegen gelehrt, sondern auch die (nach-)lässigen Amerikaner, die fünf Prozent der Erdbevölkerung stellen, aber rund ein Viertel der weltweiten Energie verbrauchen. Seine avancierte Umweltpolitik in Kalifornien ist zumindest Vorreiter.

Irgendwie passend, dass es eines Showman wie Schwarzenegger bedurfte, um ein bisschen Grün in das düstere Grau der US-Umweltpolitik zu bringen. Ebenso passend auch, dass Al Gore erst als abgeblitzter Präsidentschaftskandidat wagte, was ihm im Weißen Haus wohl nie eingefallen wäre.

Zunächst warnte er als One-Man-Show vor den Folgen des Klimawandels, dann erreichte er mit seiner "Unbequemen Wahrheit" nicht nur ein Millionenpublikum, sondern auch die Oscar-Jury, die dem neuen Apostel der Umwelbewegung einen Statuette, immerhin noch golden und nicht grün, für den besten Dokumentarfilm überreichte: "Wir müssen die Klimakrise lösen, das ist keine politische, sondern eine moralische Frage", mahnte er.

Sein Wort in Uncle Sams Ohr! Hollywood hat's jedenfalls längst gehört, weshalb es dort bereits vor der Oscar-Nacht so grün grünte, als wollte man Eliza Doolittle umgehend zur neuen Umweltministerin machen. "Red Carpet/Green Car" hieß denn auch eine Kampagne, mit der Stars wie Penelope Cruz, Diane Kruger oder Harrison Ford zur Gala in L. A. chauffiert wurden - in Hybrid-Autos statt in Stretch-Limous.

"Zum ersten Mal in der Geschichte des Oscars ist das hier eine ,grüne' Show", sagte Leo DiCaprio im Kodak Theatre, "ich appelliere an alle Menschen, energiebewusst zu handeln und sich zu engagieren."

Auch wenn die Vorbildfunktion in Einzelfällen stimmt: Wer glaubt schon an das Potemkin'sche Dorf Hollywood als Weltenretter? Wie "natürlich" sich die Stars geben, sei am Oscar-Triathlon vieler Schönen und Reichen demonstriert: Im November geht's ans erste Anpassen der Roben, im Dezember beginnen die Diäten und am Tag der Wahrheit sitzen manche bis zu zehn Stunden bei ihren Make-up-Zauberern.

"Umweltfreundlich kann sexy und schnell sein", sagt der Marketingchef des Elektroautoherstellers Tesla. Seine Firma baut gerade an einem Roadster, 219 km/h schnell und 90.000 Dollar teuer. AKW braucht man keines, der Strom kommt eh aus der Steckdose. George Clooney hat sich schon einen bestellt. Vermutlich geht er ihn mit der Stretch-Limou abholen.

MICHAEL TSCHIDA

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