"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Goldener Müllkübel" (Von Peter NINDLER)

Ausgabe vom 27. Februar 2007

Wien (OTS) - In der Tiroler Müllfrage ist in der Vorwoche mehr weitergegangen als in den vergangenen fünfzehn Jahren zuvor. So gesehen war der Konflikt zwischen der ÖVP und SP-Umweltlandesrat Hans Lindenberger ein wichtiger Impuls zur Lösung eines verdrängten Problems. Das Abfallprodukt der Politik kostet die Bevölkerung schließlich 80 Millionen Euro.

Die Beseitigung von 170.000 Tonnen Restmüll durfte jedoch nicht am Streit über die mechanischen Sortieranlage im Innsbrucker Ahrental scheitern. Das haben ÖVP und SPÖ letztlich erkannt. Auch persönliche Animositäten zwischen Gemeindeverbandspräsident Hubert Rauch und Hans Lindenberger können nicht wieder auf Kosten der Bevölkerung ausgetragen werden. Sie zahlt ohnehin schon für die jahrelange Untätigkeit.

Natürlich hat LR Anna Hosp im Hintergrund die Fäden gezogen. Doch wer kann‘s ihr verübeln? Sie kennt sich in der Materie ebenfalls aus und ist im Gegensatz zum Quereinsteiger Lindenberger sowie dem kommunalen Interessenvertreter Hubert Rauch der politische Profi in der Runde. Denn mit dem Müll-Kompromiss wurde endlich ein Zukunftsschritt geschafft: Das Land schreibt seinen Müll aus, die Abfallverbände werden in die Lösung integriert und der Abfallwirtschaftsverband Tirol Mitte kann mit Innsbruck die Sortieranlage bauen.

Die Gründung einer eigenen Landesgesellschaft für die Umsetzung der thermischen Verwertung zuerst außerhalb Tirols und danach im Lande entkoppelt die Müllfrage auch von der Tagespolitik - vom täglichen Hickhack über Eitelkeiten und Kleinigkeiten. Mit dem Müll lassen sich keine Wahlen gewinnen, denn die Bevölkerung erwartet sich Lösungen, keine zusätzliche Belastungen. Wenn‘s ab 2009 funktioniert, gewinnen die Tiroler - nicht Lindenberger, Hosp oder Rauch. Wenn‘s schiefgeht, haben ÖVP und SPÖ versagt, und die Bürger zahlen mit höheren Müllgebühren die Zeche fürs politische Versagen im Land.

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