Ärztekammer fordert mehr Dienstposten in den Spitälern

Katastrophale Arbeitsbedingungen durch Ärztemangel und überbordende Bürokratie - Dorners Appell an die Politik: "Taten statt Worte"

Wien (OTS) - In die Diskussion rund um die Arbeitszeitbelastung
von Spitalsärzten meldet sich jetzt die Ärztekammer zu Wort. "Seit Jahren fordern wir eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen für angestellte Ärztinnen und Ärzte in den Spitälern. Hoffentlich wird die Politik durch die aktuelle Diskussion aufgerüttelt und lässt Taten anstelle von Worten sprechen", so Wiens Ärztekammerpräsident Walter Dorner in einer Aussendung. Auch die Einhaltung der Arbeitszeiten sei genauer zu kontrollieren. ****

"Einerseits müssen wir zusehen, wie unsere Jungmediziner in die Nachbarländer abwandern, weil sie dort sofort nach ihrem Studienabschluss eine Ausbildungsstelle erhalten. Andererseits arbeiten die Kolleginnen und Kollegen in den heimischen Spitälern schon jetzt weit über ihrem Leistungslimit aufgrund des stetig anwachsenden Arbeitspensums, vor allem bedingt durch bürokratische Erschwernisse", ärgert sich der Ärztekammerpräsident. Zudem sei die von der EU geforderte Aufhebung der Quotenregelung zur Zulassung an den medizinischen Universitäten in Österreich "nicht gerade hilfreich, um die Situation in den heimischen Spitälern zu verbessern".

Ähnlich beurteilt die Situation auch der Forschungsreferent der Ärztekammer für Wien, Thomas Szekeres. Er fordert nicht nur für die Medizinische Universität Wien, sondern zur Entlastung aller angestellten Ärztinnen und Ärzte zusätzliche Mediziner in den Spitälern. Szekeres: "Wir steuern mitten in eine personelle Katastrophe." Schon jetzt sei die Situation für Spitalsärzte "unerträglich".

Verstärkter Druck auf die Ärzteschaft

Mit der Aufhebung der Quotenregelung wird nicht nur der österreichische Medizinernachwuchs stark eingeschränkt. Dorner: "Wir können derzeit einfach nicht vorhersehen, wie sich der Zufluss deutscher Studenten auf den zukünftigen Ärztebedarf in Österreich auswirken wird." Der Ärztekammerpräsident befürchtet, dass diese Faktoren in ein paar Jahren bereits zu einem Ärztemangel führen werden. "Und dann wird es heißen: Hätten wir doch lieber ein paar Österreicher mehr studieren lassen, dann hätten wir jetzt keine Probleme."

Die Situation in den Spitälern schlägt sich bereits auf das psychische Gleichgewicht der Kollegenschaft nieder. "Der Druck auf uns Ärztinnen und Ärzte steigt immer mehr. Das zeigt sich auch durch mehrere Selbstmorde von Intensivmedizinern und Anästhesisten in den vergangenen Monaten. Die Zahlen spiegeln wider, wie es wirklich in den Spitälern aussieht", betont Dorner. Marathon-Dienstzeiten und die hohe Verantwortung würden sich langfristig auf die menschliche Psyche auswirken. Ein Burn out sei dann die logische Folge.

Dorner fordert alle Verantwortlichen auf, "dringend Taten zu setzen, um die Situation für die angestellten Ärztinnen und Ärzte raschest möglich zu verbessern". Denn nur so könne die Qualität des österreichischen Gesundheitswesens und damit auch die Position der Medizinweltstadt Wien auch für die Zukunft gesichert werden. Und dies sei letztendlich auch im Sinne aller Patientinnen und Patienten, so der Ärztekammerpräsident abschließend. (kp)

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