Mediziner-Quote - Broukal: Mehr Ärzte auch für Verbesserungen bei der Arbeitszeit

"Wer will von einem Arzt behandelt werden, der bis zu 80 Stunden Dienst hinter sich hat?"

Wien (SK) - Die Diskussion um die Mediziner-Quote an den österreichischen MedUnis und um den Ärztebedarf in Österreich muss auch im Zusammenhang mit der Arbeitszeit der Ärzte in Krankenhäusern gesehen werden. Das fordert SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal und verweist auf eine IFES-Studie vom Sommer 2006 über die Situation der Spitalsärzte. Demnach arbeiten 36 Prozent über 60 Stunden in der Woche im Durchschnitt, 52 Prozent bis zu 72 Wochenstunden und 14 Prozent sogar bis zu über 99 (!) Stunden in der Woche. "Diese Arbeitszeiten sind untragbar für ÄrztInnen und PatientInnen. Wenn über den Ärztebedarf in den nächsten Jahren gesprochen wird, dann muss das berücksichtigt werden", so Broukal am Montag. ****

Laut der IFES-Studie arbeiten etwa Ärzte in der Turnusausbildung zum Facharzt durchschnittlich 63 Wochenstunden, die Arbeitszeit geht auf über 80 Stunden hinauf. Auch Fachärzte und Oberärzte erreichen Wochenarbeitszeiten bis zu 75 Stunden. Broukal ist überzeugt, dass sich das auch die Ärzte in Zukunft nicht länger gefallen lassen werden; auch aufgrund der Tatsache, dass der Anteil der Frauen in diesem Beruf stark zunimmt. "Hier geht es auch um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie." Freilich betreffe dieses Problem auch die PatientInnen: "Wer will von einem Arzt behandelt werden, der bis zu 80 Stunden Wochenarbeitszeit hinter sich hat?"

Für den SPÖ-Wissenschaftssprecher ist es jedenfalls unverständlich, warum etwa Teile der Ärztekammer von einer Ärzteschwemme sprechen. "Bevor ich einen fertigen Mediziner Taxi fahren lassen, hole ich ihn doch besser ins Spital und reduziere so diese hohen Wochenarbeitszeiten."

Wie schon gestern in 'Offen gesagt' bekräftigte Broukal auch seine Kritik an der EU-Kommission, die sich bisher gegenüber dem Ansturm deutscher StudentInnen auf Österreichs MedUnis "ziemlich ignorant" gezeigt habe. "Wenn rund 3.000 deutsche Studierende nach Österreich kommen wollen und wir hier insgesamt nur 1.500 Plätze haben, dann gibt es ein eklatantes Problem. Die EU kann sich hier nicht auf abstrakte Rechtsgrundsätze zurückziehen." Broukal begrüßt jedenfalls, dass die neue Regierung und Wissenschaftsminister Hahn - im Gegensatz zur vorigen Regierung - echtes Engagement und Willen zeigt, mit der EU zu einer Lösung zu kommen, die hält. (Schluss) ah

Rückfragen & Kontakt:

SPÖ-Bundesorganisation, Pressedienst, Tel.: 01/53427-275,
Löwelstraße 18, 1014 Wien, http://www.spoe.at/online/page.php?P=100493

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | SPK0001