"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Krieg um Krippen" (Von Monika DAJC)

Ausgabe vom 26. Februar 2007

Innsbruck (OTS) - Feuerpause? Man kann es in der deutschen Kinderkrippen-Debatte nach dem Ordnungsruf der Kanzlerin nur hoffen. Auf offener Bühne und mit Leidenschaft wurde der Schaukampf Familienbild des 19. Jahrhunderts gegen Alltag im dritten Jahrtausend in Szene gesetzt. Mit unglaublicher Vehemenz waren Tag für Tag massivere ideologische Geschütze gegen die Pläne der Familienministerin in Stellung gebracht worden. Um die Lage wirklich zu verbessern, neue Lust auf Kinder zu machen, ist Ideologie indes völlig fehl am Platz. Realitätssinn und optimale Rahmenbedingungen sind das Gebot der Stunde.

Nicht der Staat, erst recht nicht die Kirche in Gestalt eines eifernden Bischofs hat das Recht, Eltern Vorschriften zu machen, wie sie zu leben, wie sie Kinder zu erziehen haben. Wenn die Mehrheit der Eltern Kinderbetreuungsplätze wünscht und die Wirtschaft ganz oder teilweise berufstätige Mütter braucht, dann wird man Krippen in ausreichender Zahl schaffen müssen.

Der herzlose Bannstrahl gegen "die Berufstätigen" ist vollends ein Ärgernis, vergegenwärtigt man sich, dass die meisten Eltern zur Erwerbstätigkeit gezwungen sind, um über die Runden zu kommen. Natürlich wird sich die Zahl der Neugeborenen nicht sprunghaft erhöhen, wenn sich im Land die fröhliche Kunde einer ausreichenden Zahl von Betreuungsplätzen für den Nachwuchs verbreitet. Zu lange hat sich die Politik, die in keiner Rede das Bekenntnis zu Familien und Zukunft auslässt, um die adäquaten Voraussetzungen gedrückt. Bleibt eine Mutter zu Hause, dann sind ja auch nicht alle Probleme gelöst. Kinder erhöhen das Risiko der Verarmung. Im vorigen Bundestagswahlkampf hat Angela Merkels Union vollmundig versprochen, die Steuerfreibeträge für Kinder zu erhöhen. In den eineinhalb Jahren seit Übernahme der Regierung war davon aber keine Rede mehr.

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