WirtschaftsBlatt Kommentar vom 26. 2. 2007: Konjunktur: Integration als Wachstumstreiber - von Herbert Geyer

Mehr Wachstum, weil Europa zusammenrückt

Wien (OTS) - Für Menschen, die's gern eindeutig haben, sind die aktuellen Meldungen von der Konjunktur ein Gräuel: Eben noch meldet Frankreich ein über den Erwartungen liegendes Geschäftsklima, da schiebt Deutschland einen Ifo-Index (der für Deutschland eine ähnlich starke Aussagekraft hat) nach, der unter den Erwartungen der Analysten liegt.

Dabei blickt seit Monaten ohnehin alles gespannt auf die deutsche Konjunktur: Wird die Mehrwertsteuererhöhung, die dort per 1. Jänner in Kraft trat, die grösste Volkswirtschaft Europas so massiv dämpfen, wie das vorher von vielen befürchtet wurde, oder wird sich dieser Dämpfer in so engen Grenzen halten, wie das die deutschen Politiker gehofft hatten?

Nun: Noch ist natürlich nicht aller Tage Abend, aber selbst wenn der am Freitag veröffentlichte Ifo-Index ein wenig unter den Erwartungen blieb, so zeigt er zumindest, dass es keinen echten Einbruch in der deutschen Konjunktur gibt. Auch nach dem Rückgang liegen sowohl die Beurteilung der aktuellen Lage als auch die Erwartungen für die nächsten Monate deutlich im positiven Bereich. Selbst im Einzelhandel - wo das Geschäft nach dem Vorzieh-Kaufrausch im Dezember natürlich ein wenig nachgelassen hat - gehen die Erwartungen für die nähere Zukunft wieder steil nach oben.

Auch die jüngste Konjunkturumfrage der österreichischen Industriellenvereinigung zeigt - trotz einiger leichter Rückgänge -eine stabile Hochkonjunktur, die absolut nicht zu Befürchtungen für einen stärkeren Einbruch Anlass gibt.

Und das alles, obwohl die Welt-Konjunkturlokomotive der letzten Jahre, die USA, jene Schwäche zeigt, die ihr von den meisten Wirtschaftsforschern vorhergesagt wurde. Wenn nicht alles täuscht, müsste heuer gelingen, was seit vielen Jahren unmöglich schien: dass sich Europa von einem Wirtschaftsabschwung in den USA abkoppeln kann. Erstmals seit sechs Jahren dürfte Europa heuer mit seinem Wachstum vor den USA liegen.

Dass das gelungen ist, hat vor allem zwei Ursachen: Zum einen wurden die in Lissabon beschlossenen europäischen Wachstumsprogramme zwar nur mit halbem Herzen umgesetzt, aber sie zeigen trotzdem Wirkung. Und zum anderen erweist sich die Erweiterung der EU als genau jener Wachstumsmotor, als den sie alle ernst zu nehmenden Experten von Anfang an gesehen hatten. Kurzum: Unser Wachstumsvorsprung ist eine Folge der europäischen Integration. Wir sollten diesen Weg fortsetzen.

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