Aktion Arzneimittelgurt aus Sicht der Ärzte "problematisch"

Pruckner: "Medikation ist wie offenes Buch über Krankheit der Patienten" - Pjeta: "Gespräch über sensible Gesundheitsdaten in offenen Verkaufsräumen unmöglich"

Wien (OTS) - Als "problematische Aktion" wird die heute in
Salzburg vorgestellte Aktion Arzneimittelsicherheitsgurt der Salzburger Apotheker zusammen mit dem Hauptverband seitens der niedergelassenen Ärzte bewertet. "Hier wurde das Pferd von hinten aufgezäumt", warnte der Obmann der Bundeskurie niedergelassene Ärzte in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Dr. Jörg Pruckner. Während Ärztinnen und Ärzten als Verschreibern noch kein Überblick über die Gesamtzahl der Medikamente ihrer Patienten via E-Card möglich sei, "hat dies nun die Zweit-Instanz, die Abgabestelle, die die Verordnung selbst gar nicht beeinflussen kann. Das nenne ich verkehrte Welt."

Pruckner warnte davor, dass über die Zusammenschau konsumierter Medikamente "ein fast lückenloser Rückschluss auf das Krankheitsbild, ja sogar Befindlichkeitsstörungen" möglich sei. Die Medikation lasse "wie ein offenes Buch" Rückschlüsse auf die Krankheit zu. "Da diese Datensammlung auch frei verkäufliche Lifestyle-Präparate umfasst, ist sie sogar noch sensibler als eine Krankengeschichte, weil man daraus auch auf die Lebensumstände folgern kann", erläuterte Pruckner.

"Das sind sensible Daten für die ein hoher Datenschutz gelten muss. Beratungsgespräche dazu über den Ladentisch im offenen Verkaufsraum zu machen, halte ich für sehr gewagt, ja unmöglich. Es stellt das Prinzip der Vertraulichkeit und Geheimhaltung von Gesundheitsdaten geradezu auf den Kopf. Ich würde das als Patient nicht wollen", erklärte auch der Leiter des Medikamentenreferats der Österreichischen Ärztekammer, Dr. Otto Pjeta.

Beide Ärztevertreter forderten, den Patienten mit Projekten dieser Art "nicht im Kreis herumzuschicken". Denn der Patient müsse, nach Durchsicht seiner Medikation durch den Apotheker doch wieder zwecks Rückmeldung zurück zum Arzt kehren.

Für den Arzt wiederum sei nicht nachvollziehbar, ob der Patient aufgrund der Beratung nun bestimmte Präparate nicht mehr nehme oder Begehrlichkeiten gegenüber dem Arzt entwickele. "Da wird im System sehr viel Unsicherheit geschaffen. Dieser Tragweite sind sich die Akteure offenbar nicht bewusst", so Pruckner. Er forderte, zuerst den Ärzten via e-Card einen Gesamtüberblick über die Medikation der Patienten zu ermöglichen, damit diese darauf bei ihren Verschreibungen Bedacht nehmen könnten. Apotheker sollten sich auf ihre Funktion beschränken, die Einnahme von Medikamenten zu erläutern und zu vermeiden, dass Medikamente falsch eingenommen würden. Pruckner verwies abschließend darauf, dass zentrale Datenbanken von der Ärzteschaft aus Gründen des Datenschutzes und der Datensicherheit abgelehnt würden.

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