Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" - Kommentar: Emotionale Sackgasse (von Claudia Grabner)

Ausgabe 18. Februar 2007

Klagenfurt (OTS) - "Wichtig ist, dass man sich nicht von den Emotionen, sondern von den Fakten leiten lässt", mahnt jener Mann, der mit der Bawag-Affäre als Ankläger im größten Wirtschaftskriminalfall der österreichischen Geschichte in Erscheinung tritt. In einem Krimi, der so überwältigend an atemberaubenden Fakten ist, dass es bislang unmöglich blieb, Emotionen auszuschalten. Emotionen, die immer dann besonders hoch und üppig schwappen, wenn jener kaltschnäuzige Luxus ins Spiel kommt, vor dem Normalsterbliche in Ehrfurcht erstarren.
Kaltschnäuzig ist Luxus beispielsweise dann, wenn ein Bankenchef von seiner de facto zahlungsunfähigen Bank eine Gehaltserhöhung von 500.000 Euro begehrt. Und das, nachdem sich besagter Generaldirektor zuvor eine Pensionsabfindung in Millionenhöhe genehmigt hat. Freihändig ... Das alles macht es schwer - zumindest nicht wahnwitzig leicht -, die Emotionen auszuschalten.
Besagter Bawag-Ankläger hat natürlich recht: In einem Prozess haben Bauchgefühle keinen Platz. "Sprechen" müssen alleine die Fakten. Fakten, die auch eines klarmachen sollten: Einer alleine kann´s nicht gewesen sein. Es gab und gibt Vorstandsmitglieder, Aufsichtsräte, Kontrollorgane ... Man muss nicht immer etwas tun, um schuldig zu sein. Zuweilen macht das Nichtstun ebenso (mit)schuldig.

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