WirtschaftsBlatt Kommentar vom 16. 2. 2007: Bawag: Ein neuer Name muss her! - von Peter Muzik

Das Image ist kaputt, die Bank wird so schnell nicht zur Ruhe kommen

Wien (OTS) - Das ging ja Schlag auf Schlag: Bawag-Generaldirektor Ewald Nowotny darf in den Generalrat der Oesterreichischen Nationalbank einziehen. Sein Vorvorgänger, der nunmehrige U-Häftling Helmut Elsner, befindet sich, wie wir der Gratiszeitung Heute dankbar entnehmen, am besten Weg zum Tellerwäscher im Straflandesgericht. Schliesslich wird auch der frühere ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch bald eine neue Funktion übernehmen: Er soll in den Ländern des Westbalkans beim Aufbau von Sozialpartnerschaften als Konsulent seine durchaus reichen Erfahrungen einbringen.

Dieser Job, den ihm der Sonderkoordinator für den Südosteuropa-Stabilitätspakt, Erhard Busek, verschafft hat, ist für Verzetnitsch wie geschaffen: Er wird - von Kroatien bis Bulgarien -den dortigen Gewerkschaften die Vorzüge des sozialpartnerschaftlichen Modells made in Austria schmackhaft machen. Erstens dürfte er das gewiss gut erledigen, und zweitens kommt er dabei sicherlich wieder auf bessere Gedanken. Und sofern man ihn von balkanesischen Gewerkschaftsbanken fernhält, sollte auch kein allzu grosses Unheil passieren.

Während also Verzetnitsch zur Schlappe seines Lebens auf Distanz geht, wird die Bawag wohl noch monatelang im Gespräch bleiben - und zwar in einer Form, die nicht unbedingt wünschenswert sein kann: Der spektakuläre Prozess gegen die neun Angeklagten wird die Bank einfach nicht zur Ruhe kommen lassen, so sehr sich das die neuen Eigentümer auch wünschen. Das Image des angeschlagenen Geldinstituts ist in den vergangenen Jahren zu sehr ramponiert worden, als dass man jetzt zur Tagesordnung übergehen könnte.

Die Cerberus-Bosse wären jedenfalls gut beraten, dem Geldinstitut, das sie auf Vordermann bringen müssen, sozusagen einen totalen Neustart zu verordnen - gleich mit einem neuen Firmennamen. So kostspielig es auch sein wird, auf die wohlbekannte Trademark Bawag zu verzichten, könnte sich bei den US-Aktionären die Erkenntnis durchsetzen, dass es anders nicht geht. Sie sollten sich daher nicht scheuen, viele Marketing-Millionen für den Neuauftritt bereit zu stellen. Der Ruf der skandalgeschüttelten Bank steht nämlich - sowohl bei ihren Kunden als auch in der internationalen Finanzwelt -unneurotischen Geschäftsbeziehungen auf allen Ebenen eindeutig im Weg, weil er zu stark angepatzt wurde.

Wenn Sie eine gute Idee haben, wie die Bawag künftig heissen könnte, schicken Sie mir bitte ein Mail. Die besten Vorschläge werden veröffentlicht.

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