"Tiroler Tageszeitung" Kommentar:"Fluch des Segens" (Von Max Ischia)

Ausgabe vom 15.Februar 2007

Innsbruck (OTS) - Wer fürchtet sich vorm österreichischen Herren-Skiteam? Niemand! Spätestens mit dem gestrigen Riesentorlauf-Fiasko ernten unsere Helden (von einst?) nur noch Hohn und Spott. In den diversen Internetplattformen überschlagen sich die Emotionen, wird nicht zuletzt der Rücktritt von Herrenchef Toni Giger gefordert. Die Volkesmeinung schwankt zwischen Betroffenheit und Ohnmacht, Wut und Enttäuschung.

Der norwegische Doppelweltmeister Aksel Lund Svindal lieferte zu dieser Thematik eine interessante Wortspende: Insbesondere im Riesentorlauf sehe er seit Jahren keine nachdrängenden ÖSV-Nachwuchsläufer mit hohen Startnummern. Wie überhaupt es den Anschein hätte, dass es in Österreich keine Jungen gebe, die den Arrivierten in den Allerwertesten treten würden.

Es hat nicht nur so den Anschein, es ist so. Eine Entwicklung, die auf den ersten Blick überraschend kommen mag, auf den zweiten aber nur logisch war. Über viele Jahre haben Spitzenkräfte wie Maier, Eberharter, Raich, Knauß, Trinkl, Mayer, Fritz Strobl oder Pepi Strobl in mehreren Disziplinen dominiert, da blieb für die nachdrängende Jugend nur der Weg über den Europacup. Der Segen der alles überstrahlenden Dominanz entpuppt sich inzwischen immer mehr als Fluch. Wo sind die Albrechts, Berthods und Svindals? Nicht vorhanden. Nicht zuletzt, weil der Weg in den Weltcup nirgends steiniger ist als in Österreich.

Nach den Rücktritten so mancher Stars klafft nun ein Generationenloch. Und so erfolgreich Herrenchef Giger und dessen eingespieltes Trainerteam auch arbeitete, irgendwann werden selbst die schärfsten Mechanismen schleichend stumpf. Auch wenn der ÖSV stets für Kontinuität steht und Alpinchef Hans Pum eine Trainerdiskussion bereits ausschloss, ist ein Nachdenkprozess unausweichlich. Denn die weltmeisterlichen Zeichen stehen auf Sturm.

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