"Kleine Zeitung" Kommentar: "Alexander Wrabetz reformiert den ORF mit Samthandschuhen" (von Hertha Brunner)

Ausgabe vom 15.02.2007

Graz (OTS) - Im August sah die Zukunft noch rosarot aus. Da wurde Alexander Wrabetz von einer Regenbogenkoalition aus Sozialdemokraten, Freiheitlichen, Grünen, BZÖ-Stiftungsräten sowie schwarzen und roten Zentralbetriebsräten zum neuen ORF-Generaldirektor gewählt. Mit dem Generationswechsel von Monika Lindner zu Wrabetz schien Aufbruchstimmung und ein neuer Führungsstil eingekehrt zu sein.

Mittlerweile ist Wrabetz auf dem Boden der Wirklichkeit gelandet. In seinen Postenbesetzungen schlug sich die Zusammensetzung der Regenbogen-Koalition nieder. Deren treibende Kraft, der Grüne Pius Strobl, ist seit Jahresbeginn der neue Kommunikationschef. BZÖ-Favorit Elmar Oberhauser wurde Informationschef. Der SP-nahe Karl Amon ist neuer Fernseh-Chefredakteur.

Die Frauen, die Wrabetz vermehrt in Führungspositionen bringen wollte, blieben auf der Stecke. Ein Feigenblatt, das Wrabetz nach seinem Wahlversprechen vorweisen kann, ist Radiochefredakteurin Bettina Roither. Der Ausmusterung der einzigen Hauptabteilungsleiterin Margit Czöppan durch Programmdirektor Wolfgang Lorenz sah Wrabetz tatenlos zu.

Erneuern ja, aber nirgends anecken, scheint seine Devise zu sein. Nur so ist zu erklären, dass der umstrittene Ex-Chefredakteur Werner Mück zum Senderchef von TW1 avanciert ist. Die Kündigung des freiheitlichen Zentralen Chefredakteurs Walter Seledec wurde zurückgenommen.

Auch bei Wrabetz' Programmreform war Vorsicht die Mutter der Porzellankiste. Inhaltlich hört sich das neue ORF-Schema an wie ein Best-of der letzten dreißig Jahre. Eine Neuauflage des Club 2, ein Bürgerforum a la Walter Schiejok, ein längst überfälliges Jugendmagazin in der Tradition von "Ohne Maulkorb". Ja sogar an das verjährte Österreich-Bild wird wieder angeknüpft.

Das einzig halbwegs Revolutionäre an der Wrabetz-Reform ist das Ende der ZiB-Durchschaltung und da war der Wunsch nach einer Publikumsverjüngung als Köder für die Werbekunden der Vater des Gedankens. Dringend notwendige Schritte, wie die Entsorgung des für einen öffentlich-rechtlichen Sender eigentlich untragbaren Gesundheitsmagazins "Primavera" wurden durch eine Entschädigung in Form einer neuen Talkshow für Russwurm versüßt.

Die Stiftungsräte, die vor der Generaldirektorswahl noch lautstark mehr Kultur im ORF gefordert hatten, sind Wrabetz seit seinem Wahlsieg Regenbogenkoalitionär gewogen. Dem Start der Reform steht also nichts im Wege. Fazit: Alles bleibt besser. ****

Rückfragen & Kontakt:

Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
redaktion@kleinezeitung.at
http://www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKZ0001