Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" - Kommentar: Zelebrierter Rechtsstaat (von Michaela Geistler-Quendler)

Ausgabe 15. Februar 2007

Klagenfurt (OTS) - Helmut Elsner hinter Gittern - ein kollektiver Wunsch geht in Erfüllung. Der luxusverwöhnte Banker residiert im Gefängnisspital, umzingelt von Mitbewohnern der anderen Art. Er hat es sich also doch nicht "richten" können. Diese Vorstellung hat eine besondere populistische Qualität und verdeckt gerade deshalb Widersprüche.
Da wird der "Sieg des Rechtsstaates" gefeiert und gleichzeitig eingeräumt, dass man dem Recht halt doch ein wenig nachhelfen musste. Das Verfahren erfuhr eine Beschleunigung, und zwar durch den Einsatz politischer Kontakte. Dem französischen Justizminister wurde "deutlich gemacht", dass es sich für Österreich "um keinen x-beliebigen Fall" handelt. Ob man das politischen Druck oder Nachdruck nennen soll, bleibt wohl ein semantischer Unterschied. Verräterisch ist, dass man hierzulande etwas zelebrieren muss, das eigentlich einfach funktionieren sollte: der Rechtsstaat. Das hörbare Aufatmen ob der Auslieferung Elsners offenbart ein tief sitzendes Misstrauen, einen bis zuletzt gehegten Zweifel, dass das Recht tatsächlich zugreifen würde. Dahinter schlummert eine Obrigkeitshörigkeit unvorstellbaren Ausmaßes. Genau diese muss über Bord geworfen werden, um den Fall Elsner als das zu sehen, was er ist: kein Einzelfall und keiner, den man mit der Verhaftung einer Einzelperson erledigt.

Rückfragen & Kontakt:

Kärntner Tageszeitung
Chefredaktion
Tel.: 0463/5866-502
ktzredaktion@apanet.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KTI0001