Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch

Von Kim Il Sung lernen

Wien (OTS) - Der österreichischen Regierung fehlt es an Kreativität. Das beklagt die (jeweilige) Opposition mit gutem Recht, entwickelt sie doch selbst täglich vorbildlich viele Ideen, wie und wo man noch mehr Geld für immer neue Zwecke ausgeben könnte; der Regierung fällt hingegen immer nur ein ödes "Stopfen von Budgetlöchern" ein. Pfui.

Österreich sollte sich wohl mehr an internationalen Vorbildern orientieren. Etwa an Nordkorea, wo man die leeren Staatskassen nicht mit dummem Neoliberalismus füllt, sondern mit kreativer Erpressung. Es hat so lange mit dem Bau von Atomwaffen gedroht, und offensichtlich auch an solchen gebastelt, bis es sich nun wie zu Weihnachten (das in Nordkorea allerdings abgeschafft ist) fast alles wünschen kann, was es mag und braucht.

So funktioniert die Weltpolitik: Hast du Atomwaffen, dann bist du was, hast du keine, dann bist du nichts. Und kriegst auch nichts.

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Unser Schulsystem ist unter 26 untersuchten Staaten das am wenigsten effiziente. Das zeigt eine neue Studie der OECD. Jede Wette: Sie wird viel weniger zitiert werden als die (wissenschaftlich sehr fragwürdigen) Pisa-Tests, obwohl sie viel drastischer ist. Sie passt aber in kein ideologisches Kästchen und kann auch nicht zur Gesamtschul-Propaganda verwendet werden. In Wahrheit kritisiert die OECD jedoch die echten Schwächen des Schulsystems:

Die Verantwortung für die Schulen ist zwischen den einzelnen Verwaltungsebenen nicht effizient aufgeteilt; es gibt zu wenig Konkurrenz zwischen Betreibern von Schulen (= zu wenig Privatschulen); die einzelnen Schuldirektoren haben zu wenig Kompetenzen (etwa in Hinblick auf die Lehrergehälter); es gibt zu wenig Betreuung für Kinder mit besonderen Bedürfnissen; die Gelder werden auf Grund von Vorschriften, nicht von Resultaten vergeben; und es gibt zu wenig Benchmarking, also unabhängige Messungen der Leistungen.

Der größte Wahnsinn, nämlich dass bei uns nicht Lehrer, Eltern oder Leistung, sondern das Parteibuch über die Bestellung von Schuldirektoren entscheidet (was etwa in Wien zu einer ständig fortschreitenden Rotfärbung führt), dürfte den OECD-Kontrolloren entgangen sein. An so eine Perversion haben sie wohl nicht einmal im Traum gedacht.

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