ÖGB: Fachkräftebedarf durch inländische Arbeitskräfte decken

Leutner: Durchschnittlich 82.500 FacharbeiterInnen im Vorjahr arbeitslos

Wien (ÖGB) - Dr. Richard Leutner, Leitender Sekretär im ÖGB, stellt zu dem von der Wirtschaft beklagten angeblichen Fachkräftemangel in Österreich fest: Die Arbeitslosenstatistik für das Jahr 2006 weist rund 82.600 (für Jänner 2007 sogar 113.600) Arbeitslose mit Lehrabschluss bzw. Meisterprüfung auf. Allein in dem im Mittelpunkt stehenden metallverarbeitenden Sektor - Schlosser, Werkzeugmacher, Maschineneinrichter, Metallbearbeiter (z.B. Dreher, Fräser), Spengler, Rohrinstallateure und Metallverbinder (Schweißer) - sind Österreich weit fast 6.100 Facharbeiter und Meister arbeitslos (Jänner 2007: 8.400). Im Weiteren suchen rund 2.800 Elektriker und Elektrikermeister Arbeit (Jänner 2007: 3.100). Und selbst der boomende Baubereich weist knapp 12.600 arbeitslose Baufacharbeiter und Meister aus (Jänner 2007: 30.300). Auch im stets nach Fachkräften ringenden Hotel- und Gaststättenbereich finden sich im Jahresdurchschnitt über 10.200 Arbeit suchende Fachkräfte im Arbeitslosenregister (Jänner 2007: 8.100). ++++

"Der Fachkräftemangel ist also durchaus durch inländische Arbeitskräfte zu decken", stellt Leutner fest. "Der ÖGB stimmt aber mit dem AMS überein, dass für die in der Arbeitslosigkeit befindlichen Personen die Qualifizierungsmaßnahmen erhöht werden sollten." Es könne nicht sein, dass Österreich einen eventuellen zukünftigen Fachkräftemangel mit billigeren ausländischen Arbeitskräften bekämpft. "Zuerst müssen die Möglichkeiten im Inland ausgeschöpft werden", so der Leitende Sekretär.

In diesem Zusammenhang kritisiert Leutner auch eine mangelnde Ausbildungsbereitschaft heimischer Unternehmen: "Den insgesamt rund 18.500 Lehrstellensuchenden standen im Jänner 2007 gerade 3.000 gemeldete offene Lehrstellen gegenüber."

Leutner sieht auch keinen Grund, über 65-Jährige mit Anreizen für einen längeren Verbleib im Arbeitsleben zu gewinnen. "Wenn derzeit bereits 45-Jährige von Unternehmen bereits als zu alt für den Arbeitsmarkt eingestuft werden, ist dieser Vorschlag wohl nicht ernst gemeint."

Aus den oben genannten Gründen besteht für Leutner daher kein Grund, die Übergangsbestimmungen früher als vereinbart zu lockern.

ÖGB, 14. Februar 2007 Nr. 112

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