ÖSTERREICH: Das brisante Gerichtsgutachten zur Libro-Affäre

Libro-Gewinn 1998/99 laut Gutachter um "236 Millionen Schilling zu hoch ausgewiesen". Betroffene wehren sich.

Wien (OTS) - Die Tageszeitzung ÖSTERREICH zitiert aus dem ihr exklusiv vorliegenden neuen Libro-Gutachten des Sachverständigen Martin Geyer. Das 591 Seiten starke Papier (ohne Beilagen) wird eine zentrale Rolle im Libro-Prozess spielen, der im Frühjahr starten soll. Die Hauptaussage: Der Jahresabschluss 1998/99 von Libro gibt laut Ansicht des Autors "... kein wahrheitsgetreues Bild des Vermögensstandes der Gesellschaft" wider. "Der Gewinn vor Steuern wurde ... um rd. 236 Mio. Schilling (17 Mio. Euro) zu hoch ausgewiesen. De facto wurde damit das gesamte Eigenkapital der Gesellschaft ausgeschüttet", zitiert ÖSTERREICH aus dem Papier.

Um diese Frage wird sich der Prozess drehen. Denn auf Basis der Bilanz 98/99 schütteten sich die damaligen Libro-Gesellschafter unter Führung der Unternehmensinvest AG (UIAG) eine Sonderdividende in Höhe von 440 Millionen Euro aus. Libro ging im April 2002 in Konkurs. Gutachter Geyer zufolge war die Ausschüttung "... in einer Größenordnung von rd. 200 Mio. Schilling höher, als unter Abzug der ... Bilanzmaßnahmen möglich gewesen wäre."

Vor allem für den früheren Libro-Boss André Rettberg wird es jetzt enger. Neben ihm sind zehn Leute angezeigt: Sein damaliger Finanzvorstand Johann Knöbl, die Ex-Aufsichtsräte Kurt Stiassny (UIAG-Chef), Christian Nowotny (Uni-Professor) und Karl Millauer sowie sechs Prüfer der Kanzleien Auditor Treuhand und KPMG. Die ermittelnden Behörden werfen den Angezeigten vor, für die die Unschuldsvermutung gilt, die Bilanzmanipulationen in betrügerischer Absicht betrieben zu haben, um die überhöhte Sonderdividende zu ermöglichen. So wurde laut Gutachten alleine die mehr oder weniger wertlose Libro Deutschland um 140 Millionen Schilling (über zehn Millionen Euro) zu hoch bewertet, schreibt ÖSTERREICH.

Die Betroffenen wehren sich gegen den Vorwurf der Betrugsabsicht. In Bezug auf Libro Deutschland verweisen Ex-Aufsichtsratspräsident Kurt Stiassny und seine damaligen Kollegen auf ein positives Bewertungs-Gutachten der KPMG und eine Bestätigung der Auditor Treuhand aus dem Jahr 1999. Ein von der UIAG beauftragtes Gutachten der Kanzlei BDO habe außerdem festgestellt, dass die Annahmen für die Bewertung richtig gewesen seien. Stiassny erklärt in ÖSTERREICH: "Es ist absurd zu glauben, dass sich die Elite der österreichischen Wirtschaftsprüfer und renommierte Manager zusammentun, um vorsätzlich einen Börse-Betrug zu veranstalten."

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