• 13.02.2007, 18:00:39
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Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch

Tribunal TV

Wien (OTS) - Die ZiB 2 hat zum Thema Eurofighter-Kauf die Übergabe
dicker Banknotenbündel gefilmt - als Ersatz für das Fehlen jeglichen
Beweises für Schmiergeldzahlungen. Das schrammt hart an einer
Verleumdung (immerhin bis zu fünf Jahre Haft) entlang und übertrifft
die dort übliche Einseitigkeit weit. Wie etwa den Moderationstext von
Armin Wolf, der wieder einmal klang, als ob er von Peter Pilz
persönlich verfasst worden wäre (hätte der noch Zeit dafür neben
seinem skurrilen Kampf um das Recht, Ordnungsrufe verhängen zu
dürfen).

In der BBC oder beim ZDF würden nun Verantwortliche zurücktreten.
Im ORF gewiss nicht.

*

Quergedachte Anmerkungen zu dem Drama um die drei
oberösterreichischen Kinder:

Erstens ist wieder einmal der Satz eines erfahrenen Anwalts
bestätigt worden: "Wenn eine Mutter wirklich nicht will, dass der
Vater nach der Scheidung seine Kinder sieht, kann sie das mit einigen
Tricks über Jahre hin erreichen."

Zweitens: Was hilft es den Kindern, wenn ihr schlimmes Los ein
Jahr später von einer Gratiszeitung und dann vom Fernsehen in die
Öffentlichkeit gezerrt wird? Ist Quote wirklich alles?

Drittens ist mein Vertrauen in die Gilde der Psychotherapeuten
nicht gerade gestiegen. Nach dem Fall Kampusch werden nun erneut vor
Mikrophonen Dinge eitel breitgetreten, die zum Patientenschutz dort
keinesfalls zu erörtern wären.

Viertens: Ich bin sehr froh, in einem Land zu leben, wo noch immer
unabhängige Gerichte und nicht der Populismus von runden
Fernseh-Tischen über Delikte und Behördenversagen entscheiden.
Fünftens: Seit der 68er-Revolte, aber auch durch das Vordringen der
Juristen sind Lehrer und Direktoren in ihren Möglichkeiten, bei
Schuleschwänzen und Auffälligkeiten effektiv einzuschreiten, ständig
eingeschränkt worden. Liegt darin nicht auch eine Antwort auf die
Frage: "Wie konnte das passieren?"

Sechstens: Liberale Menschen sollten sehr hellhörig werden, wenn
die Tat einer geisteskranken Mutter ringsum den lauten Ruf auslöst:
Behörden sollten immer und überall zu Hausdurchsuchungen berechtigt
sein, um eine Wiederholung dieser Tat zu verhindern. Freilich:
Freiheitsliebende Menschen sind hierzulande sehr selten geworden.

http://www.wienerzeitung.at/tagebuch

Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: 01/206 99-478
mailto:redaktion@wienerzeitung.at

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