"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Die Grenzen der Kontrolle" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 14.02.2007

Wien (OTS) - Die Familientragödie in Oberösterreich um drei vernachlässigte und verwahrloste Mädchen schreit nach Aufklärung. Menschliches Versagen ist wohl das einzig logische Argument, warum der Skandal so lange unentdeckt blieb.
Offenbar haben etliche Menschen in den zuständigen Behörden, in der Schule und vielleicht auch in der Nachbarschaft lieber weggeschaut, um sich Ärger zu ersparen. Die Mutter war Juristin, hat die Behörden an der Nase herumgeführt, und niemand wollte sich mit ihr anlegen. Dagegen gilt es anzukämpfen. Besser einmal zu oft kontrollieren, als Kinder um Jahre ihres Lebens zu bringen.
Trotzdem ist es mehr als problematisch, jetzt nach Anlassgesetzgebung zu rufen und dabei gleich kräftig übers Ziel zu schießen. Die totale Überwachung aller Eltern und die Zwangsbegleitung aller Scheidungskinder durch die Behörde anzuordnen: Das wäre der falsche Weg.
Die Entscheidung über derartige Maßnahmen müssen auch künftig in jedem einzelnen Fall Menschen treffen. Das schließt menschliches Versagen mit ein, so tragisch das im Einzelfall auch sein mag. Besser als die totale staatliche Bevormundung und Kontrolle nach kommunistischem Muster ist es allemal.

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