Industrie: Österreich fehlen 1000 Universitätsabsolventinnen und -absolventen im Technologiebereich

IV-GS Beyrer: Weiter massiv in Innovation und Bildung investieren - ibw-Studie: Im Jahr 2010 eklatanter Mangel an F&E Personal trotz Hochschulexpansion in Österreich

Wien (OTS) - (PdI) "Wir müssen Österreich in Bildung, Forschung & Entwicklung und Innovation an die Spitze führen, um die gegenwärtigen Standards und unseren Wohlstand langfristig zu halten", betonte der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Mag. Markus Beyrer, heute Dienstag bei einer Pressekonferenz zum Thema "Die besten Köpfe für Innovation". Neben verlässlichen Rahmenbedingungen und einer entsprechenden Innovationskultur wurden daher von der Industriellenvereinigung "kreative Köpfe" als eine der drei tragenden Säulen einer Front-Running-Strategie im Innovationsbereich definiert. "Wenn wir das Wachstumspotenzial, das der Innovationsbereich zweifellos bietet, künftig voll ausschöpfen wollen, muss der Faktor Mensch stärker in den Fokus innovationspolitischer Anstrengungen rücken. Positiven Aussichten am F&E-Arbeitsmarkt stehen künftig noch massiver werdende Rekrutierungsprobleme in technischen Studienrichtungen gegenüber", so Beyrer.

Die Herausforderung im Hinblick auf die Umsetzung der Innovationsziele am Wirtschaftsstandort Österreich werde daher vor allem sein, eine ausreichende Zahl naturwissenschaftlich, technisch Qualifizierter für die Industrie und speziell für F&E-Funktionen zur Verfügung zu stellen. Es bedürfe einer substantiellen Zunahme an Graduierten besonders nachgefragter Studienrichtungen, um Angebot und Auswahlmöglichkeiten für die Unternehmen zu erhöhen. "Für das Jahr 2010 ergibt sich eine rechnerische jährliche Lücke von 1.000 Graduierten in den 15 meistgesuchten Studienrichtungen, bezogen auf eine Gesamtzahl von 4.300 Absolventinnen und Absolventen in diesen Disziplinen", warnte der IV-Generalsekretär.

Gleichzeitig müsse Österreich seine Attraktivität als Arbeitsplatz für internationale Spitzenkräfte weiter ausbauen, um im zunehmenden globalen Wettbewerb um die größten Talente bestehen zu können, forderte Beyrer. "Wissenschaftliche Exzellenz muss in Österreich gehalten und durch selektive Anziehung und weltweite Rekrutierung von Spitzen-Forscherinnen und Forschern ergänzt werden. Hohe Qualität auf einer breiten Basis, ergänzt durch Exzellenz an der Spitze muss auch im Bereich der Humanressourcen der Anspruch des Innovationsstandortes Österreich sein", so Beyrer weiter.

Speziell in der Frauenförderung bestehe in Österreich großer Nachholbedarf. "Für die Wissensgesellschaft Österreich gilt es, das Begabungspotenzial von Frauen in Wissenschaft und Forschung besser auszuschöpfen", legt Beyrer einen weiteren Schwerpunkt der IV dar, der über alle Handlungsfelder gelegt werden müsse. "Wir fordern eine couragiertere Innovationspolitik und eine Intensivierung eines breiten Dialogs zwischen Gesellschaft, Politik, Bildungseinrichtungen und Unternehmen. Nur dann können wir Wachstum anregen und unserer Jugend die Tür zu einer attraktiven und kreativen Arbeitswelt öffnen", so Beyrer.

Nicht zuletzt aus diesem Grund hat die IV hat eine hochkarätig besetzte Focus Group unter der Leitung von Philips-Österreich Vorstand Mag. Markus Posch eingerichtet, die in den nächsten Monaten ein strategisches Konzept zur Sicherung des Nachwuchses in Naturwissenschaft und Technik (NT) erarbeiten wird.

"Für Philips Österreich als LCU (Leading Compentence Unit) bestimmt die Verfügbarkeit hochqualifizierter Arbeitskräfte ganz besonders die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Österreichs", betonte Mag. Markus Posch. Als international orientierte Schaltstellen in Forschungs-, Technologie- und Innovationsnetzwerken spiegeln LCUs laut der Studie die Trends am Arbeitsmarkt besonders deutlich wider. Sowohl die Beschäftigungszunahme in Vergangenheit und Zukunft als auch die internationale Personalsuche sind bei den Leitbetrieben stärker ausgeprägt als bei anderen Unternehmen. "Der Bedarf an graduierten Technikern wächst enorm. Fast alle unserer derzeit zu vergebenden Stellen liegen im technologienahen Bereich", erklärte Posch.

Ergebnisse der Studie

Dr. Arthur Schneeberger vom Institut für Bildungsforschung und Wirtschaft (ibw) stellte die Ergebnisse der Studie "Techniker/Innenmangel trotz Hochschulexpansion", die im Auftrag der Industriellenvereinigung erstellt wurde, vor. Im internationalen Vergleich zeigt Österreich ein besonders starkes Wachstum an F&E Personal. Allein im Unternehmenssektor stieg die Zahl der Wissenschafterinnen und Wissenschafter mit Hochschulabschluss zwischen 1998 und 2004 um 79 Prozent.

Der Arbeitsmarkt für F&E Personal stellt sich aus Unternehmenssicht sich wie folgt dar:

- Mehr als 65 Prozent der forschenden Unternehmen haben die Beschäftigung von Technikgraduierten der Universitäten und der Fachhochschulen in den vergangenen drei Jahren ausgeweitet

- 68 Prozent der Unternehmen erwarten, dass die Beschäftigung von Technikgraduierten der Universitäten in den nächsten drei Jahren zunehmen wird

- 60 Prozent der Unternehmen hatten Schwierigkeiten, geeignete Absolventinnen und Absolventen technischer Universitätsstudien zu finden. Nach Branchen betrachtet, haben die Maschinenbau-, Fahrzeug-, Papier und Holz-, Elektro- und Metallindustrie am meisten mit den Engpässen zu kämpfen.

- Folgende industrienahen Technikwissenschaften liegen bei Arbeitsmarkt-Engpässen mit Abstand auf den Spitzenplätzen:
Maschinenbau, Elektrotechnik, Metallurgie, Werkstoffwissenschaft und Verfahrenstechnik

- Internationale Personalsuche ist bei den Unternehmen bereits stark verbreitet (60% der Firmen rekrutieren bereits auch international), sie hebt die Rekrutierungsprobleme jedoch nicht auf.

"Gründe für die Arbeitsmarktengpässe sind ein zu geringes Wachstum industrieorientierter Ingenieurdisziplinen, fehlende Zusatzqualifikationen und geringe geografische Mobilität der Bewerber. Außerdem steht den Graduierten eine breite Palette von beruflichen Betätigungsfeldern auch außerhalb von F&E offen und das hohe Durchschnittsalter des F&E-Personals lässt zusätzlich auf ein künftig weiter anwachsendes Problem schließen", fasst Schneeberger die Studienergebnisse zusammen.

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