WirtschftsBlatt Kommentar vom 13. 2. 2007: Eurofighter: Kein Rauch ohne Feuer. Oder ist es Nebel? - von Herbert Geyer

Bis jetzt trägt der Eurofighter-Ausschuss nur zur Verwirrung bei

Wien (OTS) - Es ist ja nicht so, dass der laufende Eurofighter-Untersuchungsausschuss gar keine neuen Erkenntnisse bringen würde. So haben wir jetzt etwa erfahren, dass die Typenentscheidung zwar in ganz Österreich helle Aufregung und Verwunderung hervorgerufen hat, ausgerechnet aber jenen, die direkt davon profiteren, ziemlich egal war. So will Magna-Boss Frank Stronach nach eigenen Angaben überhaupt nichts von den Gegengeschäften gewusst haben, um die seine Manager rangelten, und EADS-Manager Klaus-Dieter Bergner meinte gestern, der Österreich-Auftrag sei mit rund 1,3 Milliarden Euro "kein grosses Geschäft" gewesen, jedenfalls keine "Must-Win-Campaign".

Dass für einen Konzern mit 30 Milliarden Jahresumsatz eine trotzdem dafür bestellte Werbekampagne um 6,6 Millionen Peanuts sind, lässt sich nachvollziehen. Dass die Agentur, die dieses "Susi-Sorglos-Paket" (Bergner) anbot und immerhin mehr als zwei Millionen Euro davon tatsächlich für Inserate ausgab (wo der Rest verblieben ist, wird noch zu klären sein), enge Beziehungen zum damaligen kleineren Koalitionspartner unterhielt, lässt zumindest die damalige Opposition vermuten, das "Susi Sorglos" könnte sich auch auf die damalige Parteichefin Susanne Riess-Passer beziehen. Dafür fehlt aber bisher jeder Beweis.

Auch andere Erkenntnisse aus dem Ausschuss helfen uns fürs Erste nicht wirklich weiter: Zwischen der Abschätzung, die Betriebskosten der Eurofighter lägen ungefähr beim Doppelten der Konkurrenz, und Bergners Aussage, sie betrügen bloss drei bis vier Prozent mehr, liegen Welten.

Verwirrend auch, dass die Unterschrift des damaligen Verteidigungsministers Herbert Scheibner auf jenem Papier, mit dem der Minister damals im Ministerrat für das Konkurrenzprodukt Gripen geworben hat, nach Scheibners eigenen Aussagen gar nicht von ihm stammt.

Oder dass Finanzminister Karl-Heinz Grasser bei ein und demselben Kanzlerfrühstück erst gegen den Ankauf jeglicher Flieger auftrat -und dann für das teuerste Modell plädiert hat. Aber KHG kann ja vielleicht heute mit seiner Aussage vor dem Ausschuss für Klarheit sorgen.

Wären wir bloss Zuschauer irgendeines billigen Fernseh-Krimis, dann hätten wir wohl bereits die Vermutung parat, dass so viel Rauch wohl von irgendeinem Feuer verursacht sein müsste. Wir sind aber mitten in der politischen Realität. Und da könnte sich all der Rauch auch noch als gezielt geworfene Nebelgranaten herausstellen. Wir bleiben gespannt.

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