Seepiraterie das dritte Jahr in Folge rückläufig

Wurmböck: Öffentlichkeitsarbeit erfolgreich - Trotzdem Wachsamkeit und Vorsorge auch weiterhin nötig

Wien (PWK084) - Im Vorjahr wurden 239 Überfälle auf Schiffe dokumentiert. Demnach sinkt die Zahl der Überfälle das dritte Jahr in Folge (2005: 276; 2004: 329), zeigt sich Hans-Georg Wurmböck, stellvertretender Obmann des Fachverbandes der Schifffahrtsunternehmungen in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) über den rückläufigen Trend von dokumentierten Piratenüberfällen auf den Weltmeeren erfreut.

Bedenkt man, dass neunzig Prozent aller in die Europäische Union eingeführten bzw. aus ihr ausgeführten Güter auf dem Seeweg befördert werden, so ist Sicherheit ein wichtiges Thema. Glücklicherweise war bisher noch kein österreichisches Handelsschiff von Piraterie betroffen, erläutert Wurmböck, der auch Geschäftsführer der österreichischen Lloyd-Gruppe, Österreichs einziger Hochseereederei, ist.

Die bekannten Hochrisikogebiete bleiben weiterhin Indonesien, Nigeria, Somalia, der Hafen von Chittagong in Bangladesch und Santos in Brasilien. Verbessert habe sich, dank der Bemühungen der regionalen Küstenwachen, die Situation in der Straße von Malakka.

In Indonesien ging die Zahl der Überfälle jedoch von 79 in 2005 auf 50 im Jahr 2006 deutlich zurück. In Somalia wurde bereits ein Versuch, ein amerikanisches Frachtschiff zu überfallen innerhalb weniger Tage nach Rückzug der islamischen Miliz, der erste Vorfall seit mehreren Monaten, gemeldet. Hier müsse die Zentralregierung alle Bemühungen einsetzen, die Kontrolle zu erlangen - was in der Vergangenheit mehrmals misslungen sei. Anderenfalls sei davon auszugehen, dass Piratenüberfälle wieder ihr vorheriges Level erreichen würde. Auch im Hafen von Santos in Brasilien wurde eine Welle von Angriffen auf Containerschiffe dokumentiert, die dort vor Anker liegen. Die Piraten entern Schiffe, brechen Container auf und stehlen den Inhalt, wobei die lokale Polizei augenscheinlich nur wenig unternimmt, um sie bei der Rückkehr ans Ufer festzusetzen.

Das Erfolggeheimnis im Kampf gegen Piraterie ist eine umfassende Dokumentation der Vorfälle und die damit verbundene öffentliche Aufmerksamkeit. Diese bewege Regierungen dazu, ihre Bemühungen im Kampf gegen Seepiraten vor den Küsten zu verstärken, so der Reeder. "Wir müssen den Druck aufrechterhalten, indem wir noch mehr Schiffseigner dazu ermutigen, auch alle Vorkommnisse zu melden" fügt er hinzu.

Der Jahresbericht für Seepiraterie wird vom International Maritime Bureau (IMB) herausgegeben, einer Organisationseinheit der Internationalen Handelskammer (ICC).
Die Internationale Handelskammer hat 1992 das Piracy Reporting Center (PRC) in Kuala Lumpur gegründet, um die internationale Piraterie an einer zentralen Stelle beobachten, dokumentieren und somit besser bekämpfen zu können, erklärt Maximilian Burger-Scheidlin von der ICC Austria. Das Piracy Reporting Centre (PRC) ist die einzige Institution seiner Art. Sie ermöglicht Kapitänen, zu jeder Zeit und von jedem Ort aus Schiffsvorfälle zu melden, die dann in dem täglichen Online-Warnbericht vermeldet werden. Das Zentrum versorgt Schiffe auf allen Weltmeeren laufend mit den aktuellsten Informationen und Warnungen vor Piraten, bei Überfällen steht eine 24-Stunden-Hotline für Hilferufe zur Verfügung.

Zur Internationalen Handelskammer: Die Internationale Handelskammer (ICC) hat Mitglieder aus 130 Ländern. Ziele der ICC sind die Förderung des internationalen Handels, der Abbau von Handelshemmnissen, hands-on Hilfe bei der Ausarbeitung von Import-und Exportverträgen und internationale Streitbeilegung (Schiedsgerichtsbarkeit).

ICC bietet Unternehmen mit ihrem rund um den Globus gespannten Netzwerk des ICC Commercial Crime Services (CCS) eine Institution zur Bekämpfung und Prävention von Wirtschaftskriminalität. ICC hilft Unternehmen bei Problemen mit Korruption, Produktpiraterie, Spionage, betrügerischen Projektfinanzierungen, Geldveranlagung, firmeninternen Betrug etc. (JR)

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich
Fachverband der Schifffahrtsunternehmungen
Fachverbandsgeschäftsführer-Stv. Mag. Martin Deusch
Tel: 05 90 900 3255
E-Mail: ahoi@schifffahrt.at
Internet: http://wko.at/schiff

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK0001