Neues Buch: Britisch-poetische Eindrücke des Bürgerkrieg-Wiens

Wien (OTS) - Passend zu den dieser Tage anstehenden Erinnerungen
an die Februarkämpfe in Wien 1934 erinnert die an der Uni Wien lehrende Anglistin-Professorin Monika Seidl in ihrer Studie "So schön war es in Wien..." an die literarische Verarbeitung des Roten Wiens bzw. dessen Ende im Februar 1934 durch zeitgenössische britische Schriftsteller. Konkret unternimmt Seidl anhand ausgesuchter Werke von Stephen Spender, John Lehmann, Naomi Mitichison und Alan Pryce-Jones, die auch als "Aden Group" in die Literaturgeschichte eingegangen sind, den Versuch, an die bis nach England ausstrahlende durchwegs mythologisierte "Wiener Arbeiter-Figur" zu erinnern. Inspiriert von der bereits lange zurückreichenden Tradition britischer Künstler für kontinentale Freiheitsbewegungen - es sei hier an Lord Byrons Engagement im Rahmen des griechischen Freiheitskrieges gegen das osmanische Reich in den 1830er Jahren erinnert - besuchten besagte Schriftsteller mehrfach Wien in den 20er und 30er Jahren, welches damals, neben Berlin, zu den, speziell für linke Autoren, bemerkenswertesten europäischen Städte gezählt wurde. Auch wenn Werke wie etwa Spenders groß angelegtes Gedicht "Vienna" oder John Lehmanns "Evil was abroad" im Wien der Zwischenkriegszeit spielen, so tritt Wien, so Seidl, letztendlich doch mehr als "utopischer, parabelhafter Ort auf, der überall dort hätte sein können, wo Antifaschisten und Faschisten aufeinanderstießen." Die Verfasserin erklärt dieses Wien-Bild unter anderem mit den durchwegs elitären Herkünften der britischen Autoren, die so ganz und gar nicht mit den Lebenswirklichkeiten Wiener Arbeiterinnen und Arbeiter in Übereinstimmung zu bringen waren. Nichtsdestotrotz ist es für den Leser interessant, trotz aller kenntlich gemachten literarischen Vereinfachungen, unbekannte britische Wien-Eindrücke, etwa über die Erotik des Wiener Praters, nachzulesen bzw. serviert zu bekommen, wie auch einen "fremden" Blick auf den dreitägigen Bürgerkrieg in Wien zu werfen. Dies alles für ein Wiener Publikum gut lesbar aufbereitet zu haben, ist das erste Verdienst der Studie, das zweite liegt in einem wohl durchdachten, gut reflektierten Ansatz über die Problemstellungen literarischer Stadtwahrnehmungen, die man in dieser Qualität erst selten gelesen hat.

Monika Seidl, "So schön war es im Roten Wien". Britische Schriftsteller über das Wien der frühen Dreißigerjahre und die Februarereignisse 1934, 262 Seiten, Wien 2006, erschienen im Braumüller Verlag (www.braumueller.at/), Euro 26,90 (Schluss) hch

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