"Presse"-Kommentar: Kein neuer Kalter Krieg in Sicht (von Burkhard Bischof)

Ausgabe vom 12. Februar 2007

Wien (OTS) - Putin hielt bei der Münchner Sicherheitskonferenz
eine Brandrede gegen USA und Nato. Verwundern konnte sie in Wahrheit nicht.
Putin hat bei der Münchner Sicherheitskonferenz am Wochenende Klartext geredet, die US-Außenpolitik scharf kritisiert und sein Unbehagen mit der Nato und ihrem Heranrücken an die russische Grenze offen artikuliert. Ein deutscher Großpublizist aus Hamburg interpretierte das sogleich als Anpfiff zu einem neuen Kalten Krieg, und viele der Teilnehmer in München begannen gleich mit ihm zu schlottern.
Sie fürchten sich umsonst. Und dass auch der Nato-Chef über die Worte Putins enttäuscht tat, musste mehr überraschen als die Rede. Denn dass die Russen nie aufgehört haben, sich als Rivalen der Amerikaner auf der Weltbühne zu sehen, auch wenn sie weit nicht mehr das Gewicht der UdSSR haben, sollte man einfach wissen. Dass sie versuchen, auf der globalen antiamerikanischen Welle mitzureiten, ist daher nur konsequent. Dass die Russen auch nie aufgehört haben, die Nato nicht zu mögen, weiß man auch überall; außer in der Brüsseler Nato-Zentrale, wo man weiter meint, dass der Nato-Russland-Rat eine einzigartige diplomatische Kreation darstelle. Tut er nicht, weil eben die Russen die Nato nicht mögen; wie übrigens auch die OSZE. Manches ist eben ewig, etwa Moskaus Großmachtstreben. Mit dem vielen Geld in der Kasse durch die hohen Öl- und Gaspreise kann Moskau prächtig Großmacht spielen, auch wenn es antiquierte Außenpolitik ist, die sich an veralteten Parametern orientiert. Putin rief also keinen neuen Kalten Krieg aus: Er hat nur alte Großmachtpolitik gepredigt.

Rückfragen & Kontakt:

Die Presse
Chef v. Dienst
Tel.: (01) 514 14-445

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PPR0001