"Kleine Zeitung" Kommentar: "Irgendwer zahlt für die goldene Generation der Frühpensionisten" (von Johannes Kübeck)

Ausgabe vom 10.02.2007

Graz (OTS) - Normalerweise hat die neue Kanzlerpartei SPÖ die Schlagzeilen fest im Griff. Selbst das Zögern von Verkehrsminister Werner Faymann in Sachen Koralmtunnel wurde gestern durch einen roten "Gipfel" in Graz korrigiert. Doch Erwin Buchingers Fehltritt wiegt schwerer. Der Sozialminister hat es gewagt, bei den Pensionen den Tatsachen ins Auge zu blicken und die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass das Pensionsalter einmal höher sein könnte als 65 Jahre. Das rüttelt an der Kernkompetenz jeder Kanzlerpartei, die Dinge im Sozialbereich schönzureden.

Die Öffentlichkeit jenseits der SPÖ muss Buchinger dankbar sein, wenn das auch nicht das ist, was dieser bezweckt hatte. Aber die Pensionsproblematik ist politisch wie finanziell zu wichtig, um sie allein den Schönrednern zu überlassen.

Es gibt natürlich politische Lager, die in Sonntagsreden dagegen ankämpfen, die künftigen Generationen mit den Schulden von heute zu belasten. Wenn die gleichen Personen aber die Frühpension für ganze Gruppen erhalten wollen, entlarven sie sich doch nur als Verräter an der Zukunft.

Um ein paar hunderttausend Wähler von heute mit dem möglichst schmerzlosen Zugang zur Frühpension zu umschmeicheln, nehmen die Parteien in Kauf, dass Millionen künftiger Beitragszahler ein unattraktives Pensionsystem vorfinden. Denn alles, was heute verprasst wird, muss einmal bezahlt werden. Die Schritte, die seit Jahren in Sachen Pensionssystem gesetzt werden, haben so etwas wie eine goldene Generation von Frühpensionisten entstehen lassen. Solche Verhältnisse werden künftige Generationen nur mit extrem hohen Beiträgen und teuren Privatversicherungen erreichen können.

Aber schon heute hat diese Schieflage eine weitere und sozial besonders bedenkliche Dimension. Der Großteil der Frühpensionisten verabschiedet sich aus dem aktiven Dasein, weil sie sich das durch entsprechende - mehr oder weniger wohl erworbene - Anwartschaften leisten können. Wer ein unattraktives Einkommen und ebensolche Pensionserwartungen hat, ist hingegen dazu verdammt, die Zeit der unattraktiven Mindestrente solange wie möglich hinauszuschieben.

So haben die einen ein hohes soziales Prestige, weil sie früh in Pension gehen und diese lange in Behaglichkeit genießen, und andere hackeln, bis sie umfallen. Aber das hat natürlich nichts mit der Politik und der Pensionsproblematik zu tun. ****

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