Steinhart: "E-Card-System ist in vielen Teilen patienten- und ärztefeindlich"

Ärztekammer fordert adäquate Erweiterung der Nachsteckfristen der E-Card und ersatzlose Streichung der Regelung, bei jedem Arztbesuch die E-Card stecken zu müssen

Wien (OTS) - Auf die Behauptung des Hauptverbandes, "in praktisch 100 Prozent der Patientenkontakte mit der E-Card wird der Versicherungsstatus problemlos rückgemeldet", kontert nun der Vizepräsident der Ärztekammer für Wien, Johannes Steinhart: "Herr Laminger betreibt offenbar Realitätsverweigerung und verfällt ein weiteres Mal der Schönfärberei." Das vom Vorstandsvorsitzenden des Hauptverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger, Erich Laminger, "als hervorragend funktionierend" propagiertes E-Card-System sei sowohl patienten- als auch ärztefeindlich, so Steinhart weiter. Die Ärztekammer fordert eine adäquate Erweiterung der viel zu kurzen Nachsteckfristen der E-Card sowie eine ersatzlose Streichung der Regelungen, die für 2009 vorsehen, bei jedem Arztbesuch die E-Card stecken zu müssen. ****

"Stellen wir uns folgendes Szenario vor: Vergisst ein Patient die E-Card bei einem Arztbesuch am Ende des Monats, hat er genau zwei Wochen Zeit, sie nachzubringen. Schafft er das aus irgendeinem Grund nicht in diesem zeitlichen Rahmen, wird dem Arzt die Zahlung des Honorars verweigert und er muss dem Patienten seine Behandlung privat verrechnen", schildert Steinhart die "momentan für Ärzte als auch für Patienten unerträgliche und unfaire Situation". Besonders gefährdet seien geringfügig Beschäftigte, Studenten, Arbeitslose, Neugeborene und EU-Ausländer. Bei geringfügig Beschäftigten müsse der Arbeitgeber deren Einstellung erst Ende des Monats melden. "Es kann passieren, dass diese Menschen bis zu einem Monat gänzlich unversichert sind", so Steinhart. Wie man diesen Zustand mit dem eigenen Gewissen vereinbaren könne, verstehe er nicht. "Sozialversicherung kann man das wohl nicht mehr nennen, das entspricht eher einer Sozialbürokratie", so der Vizepräsident weiter.

2.300 Patienten haben täglich Probleme mit der E-Card

Zudem betont Steinhart, die von Laminger verlautbarten 0,4 Prozent aller Patientenkontakte, die in einer Ordination eines Vertragsarztes Probleme verursachen, um die Anspruchsberechtigung eines Patienten zu prüfen, würden bei 580.000 Patientenkontakten pro Tag österreichweit immerhin über 2.300 Patienten betreffen. "Das ist die Bevölkerungsanzahl von Stegersbach, das muss man sich einmal vorstellen! Und Herr Laminger tut so, als ob das ein kaum vorhandener Prozentsatz ist", ärgert sich Steinhart. "Hätte eine Bankomatkartenfirma eine ähnliche Quote, bekäme sie sicherlich massive Schwierigkeiten mit ihren Geschäftskunden."

"Wenn der Hauptverband die Nachsteckfristen erweitert und besagte Regelung für 2009 ersatzlos streicht, bin ich guter Dinge, dass wir bald wieder ein System haben, das den Namen Sozialversicherung verdient", so Steinhart abschließend. (kp)

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