Regulatoren kritisieren europäische Übertragungsnetzbetreiber scharf

Europäische Energieregulatoren legen Endbericht über Stromausfall vom November 2006 vor

Wien (OTS) - - Der Stromausfall am 04. November 2006, von dem 15 Millionen Stromkunden Europas betroffen waren (davon über 52.000 allein in Österreich) hätte durch adäquate Koordinierung und Zusammenarbeit der europäischen Übertragungsnetzbetreiber ("TSOs (1)") vermieden werden können

- Die Lehren aus anderen Großstörungen und aus dem Gesamtstromausfall in Italien im Sommer 2003 wurden von den europäischen TSOs ignoriert; Es wurden auch keine, bereits damals als unbedingt erforderlich erkannten und von Regulatoren geforderten Maßnahmen (2) ergriffen

- Die Regulatoren begrüßen und unterstützen den Vorschlag der EU Kommission zur Schaffung des notwendigen regulatorischen Rahmens für das integrierte EU-Stromnetz, der in der Strategic Energy Review der Europäischen Kommission präsentiert wurde (3), und fordern die rasche Realisierung im Interesse der europäischen Versorgungssicherheit.

- Für die Entwicklung und Umsetzung von EU-weiten verbindlichen Standards für den sicheren Netzbetrieb, muss ein klare Verpflichtung der TSOs zur Zusammenarbeit rechtlich verankert werden;

- Eine effektive Kontrolle der Einhaltung dieser Verpflichtungen der TSOs durch die Regulatoren auf nationaler und europäischer Ebene muss unbedingt gewährleistet sein.

1)"Transmission System Operators" 2) http://www.ots.at/redirect.php?econtrol1 und http://www.ots.at/redirect.php?econtrol2 3)http://ec.europa.eu/energy/electricity/report_2006/index_en.htm Nach den Stromausfällen in Europa am 06. November 2006, führte ERGEG (4) auf Ersuchen der Europäischen Kommission eine gründliche und objektive Untersuchung der Ursachen durch. Der ERGEG Endbericht (5) - der dem Interim-Bericht (6) vom 20. Dezember 2006 folgt - definiert die wesentlichen Voraussetzungen für die künftig notwendige Verbesserung der Versorgungssicherheit in europäischen Stromnetzen und fordert integrierte und harmonisierte Betriebsregeln. Die unzureichende Zusammenarbeit der TSOs wird im Bericht ebenso kritisiert, wie die Vernachlässigung der Lehren aus dem italienischen Blackout 2003 und anderen Großstörungen in der Vergangenheit. Die TSOs haben auch die von Regulatoren geforderten Maßnahmen nicht umgesetzt. Eine rechtliche Verpflichtung der TSOs dazu wurde von der EU Politik bisher nicht unterstützt. ERGEG präsentiert die drei wichtigsten Ursachen für die Stromausfälle in Europa am 06. November 2006: 1.Nicht-Einhaltung der (N-1) Sicherheitskriterien: der

Netzbetreiber E-On Netz führte keine (N-1) Sicherheitsanalyse durch, obwohl dies nach den von den TSOs selbst entwickelten Betriebsregeln (7) verpflichtend ist; Die (N-1) Sicherheitsanalyse hätte gezeigt, dass die Öffnung der 380-kV-Leitung im Übertragungsnetz der E-On Netz, die der Auslöser der Störung war, unzulässig ist;

2.Unzureichende Koordination der TSOs während der Großstörung, die mehrere Stunden dauerte; 3.Keine adäquate Überwachung und Steuerung der dezentralen

Erzeugung; Es waren weder die Parallelbetriebsstandards für die Erzeuger koordiniert umgesetzt, noch die Steuerung der Erzeugungsanlagen während der Störung durch die TSOs vorhanden. Derart unkoordiniertes Verhalten hat die Situation noch wesentlich verschlechtert und die notwendige Zeit bis zur Normalisierung der Situation verlängert.

4)Organisation der europäischen Energieregulatoren - "European Regulators Group for Electricity and Gas", www.ergeg.org - wurde im November 2003 durch die Europäische Kommission gegründet; ERGEG stellt den offiziellen Rahmen dar, für die Beratung der Kommission in allen Fragen der europäischen Energiemärkte durch die Regulatoren. 5) http://www.ots.at/redirect.php?econtrol51 6) http://www.ots.at/redirect.php?econtrol6 7)"UCTE (8) Operation Handbook", www.ucte.org ERGEG Vorsitzender Sir John Mogg kommentiert den zuletzt präsentierten Bericht der UCTE (8) , in dem das Verhalten und Agieren der TSOs während der Großstörung als effizient dargestellt wird: "UCTE bestätigt zwar die Ursachen der Störung, bezeichnet dabei die TSO-Aktivitäten aber als erfolgreich, da weitere Verschlechterung und ein EU-weiter Stromausfall vermieden worden sind. Die Fakten sehe ich leider anders. Durch diese Störung waren 15 Millionen Stromkunden Europas betroffen. Sie war weder durch einen technischen Fehler, noch durch externe Ereignisse (wie etwa schlechtes Wetter) verursacht. Es sollten daher von der Europäischen Kommission und den Mitgliedsstaaten die dringend notwendigen Maßnahmen ergriffen werden, um derartige Störungen künftig so weit wie möglich zu vermeiden." Empfehlungen im ERGEG Endbericht über die Voraussetzungen für die künftige Sicherheit der europäischen Stromnetze und für die Vorbeugung derartigen Störungen in der Zukunft sind generell den zwei folgenden Themenbereichen zugeordnet:

1. Verbesserter Rechts- und Regulierungsrahmen um das Risiko von Stromausfällen und ähnlichen Störungen künftig zu minimieren

2. Spezifische und konkrete Maßnahmen durch die TSOs, um ihre effiziente Koordinierung und Zusammenarbeit zu garantieren -dabei sind die regulatorische Überwachung und Kontrolle zum Schutz des öffentlichen Interesses unabdingbar. So haben die TSOs in diesem Falle ja nicht einmal die selbst definierten Sicherheitsregeln eingehalten.

Die detaillierten Empfehlungen umfassen u.A.:

Kurzfristig - Anpassungen im UCTE Operation Handbook durch UCTE 8)"Union for the Co-ordination of Transmission of Electricity",

Vereinigung der europäischen Übertragungsnetzbetreibern die das weltweit größte verbundene elektrische Energieversorgungssystem betreiben, das sich von Polen bis Portugal und von Deutschland bis Griechenland erstreckt.

- Entwicklung operativer Leitlinien zur Betriebssicherheit ("Guidelines of Good Practice for Operational Security") durch ERGEG

- Ergänzungen der Verordnung (EG) 1228/2003 in den "Operational Security Rules" nach Artikel 8(4) - ERGEG Empfehlungen an die Kommission

~

- Umsetzung und Aufsicht über die Versorgungssicherheitsrichtlinie, insbesondere im Hinblick auf die Verpflichtung der TSOs, die Pläne für den Betrieb in gestörtem und kritischem Zustand sowie für den Wiederaufbau zu harmonisieren und koordinieren

Mittelfristig

- Vorschlag eines neuen Rechtsrahmen für das EU-Stromnetz - ERGEG Empfehlungen an die Kommission

- Leitlinien für den Anschluss dezentraler Erzeugung ("Guidelines of Good Practice fort the Connection of Distributed Generation")

ERGEG begrüßt die Vorschläge der Europäischen Kommission im "Strategic Energy Review" vom 10. Jänner 2006, die den Empfehlungen von ERGEG an den Energiekommissar Piebalgs folgten (Dezember 2006). In diesen Detailempfehlungen wurden die wesentlichen Elemente des Regulierungsrahmens für den einheitlichen EU Energiemarkt definiert. Sir John Mogg sagt weiter dazu: "Die Bedingungen für den effizienten EU Rahmen müssen auf den hochrangigen öffentlichen Interessen an sicherem und effizientem Betrieb des integrierten EU-Netzes aufgebaut werden. Dabei sind Verpflichtungen vorzusehen sowohl für alle TSOs als Kollektiv (z.B. für die Entwicklung der Regeln uns Standards für das EU Netz), als auch für die einzelne TSOs, um die Einhaltung der Standards zu gewährleisten. Starke und unabhängige nationale Regulierungsbehörden mit harmonisierten Zuständigkeiten sowie das europäische Regulierungsgremium für die Aufsicht und Koordination der Zusammenarbeit von nationalen Regulatoren sind notwendig. Schließlich ist die effektive Entflechtung von TSOs, um ihre Unabhängigkeit und ein Agieren im öffentlichen Interesse zu garantieren, erforderlich; bevorzugt wird dabei eine eigentumsrechtliche Entflechtung. Wir hoffen auf rasches Handeln des Rates und des Parlaments bei der Behandlung der Vorschläge der Europäischen Kommission."

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